Flexibler Altbaucharme

Ergänzt wird der gerettete Altbaucharme durch hochwertige, langlebige, teils historisierende, teils moderne Materialien, die einen spannungsreichen Dialog entstehen lassen.

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Nach fünf Jahren Suche stand die Familie der Architektin und Innenarchitektin Andrea Schiller-Wyniger vor dem Haus ihrer Träume: Ein gründerzeitliches Mehrfamilienhaus in der Florastraße aus dem Jahre 1872, dreigeschossig und mit Innengarten. Der Zustand des Hauses war nach über 80 Jahren Sanierungsstau sehr marode und sollte nun innen in familiengerechte Wohnungen unterteilt werden. Dabei ging es auch um die eigenen vier Wände: Durch einen vorhandenen Anbau eröffnete sich die Möglichkeit, eine Wohneinheit zu schaffen, die flexibel auf veränderte Lebensumstände reagiert.

Schiller Architecture aus Düsseldorf entwickelten sowohl den finalen Gesamtentwurf als auch die Innenarchitektur des Projektes – insgesamt fünf geschossweise angeordnete Altbauwohnungen mit rund 740 m² Wohnfläche. In Zusammenarbeit mit Grosser Architekten wurde der Bestand einer umfassenden Kernsanierung unterzogen, wobei das Hauptgebäude weitgehend in seiner Substanz belassen werden konnte und nur durch kleinere Änderungen in den Grundrissen – etwa größere Bäder oder Küchen – optimiert werden musste. Das Dachgeschoss musste dem Sanierungsstau geschuldet komplett abgetragen werden und wurde in diesem Zuge aufgestockt und komplett ausgebaut. Der hofseitige Anbau wurde einer kompletten Kernsanierung unterzogen: Neue Geschossdecken ersetzen den maroden Bestand, wobei durch die Reduktion der Geschosshöhen eine zusätzliche Etage geschaffen werden konnte. Über eine vertikale Erschließung wird der Anbau jeweils geschossweise mit dem Hauptgebäude zu einer Wohneinheit verbunden. Das letzte Geschoss ist erhöht und mit dem Haupthaus zu einer barrierefreien Wohneinheit verbunden. Die große, am Anbau erweiterte Gartenwohnung im Erdgeschoss zeichnet sich zudem dadurch aus, dass sie sich in zwei räumlich wie technisch unabhängige Einheiten trennen lässt. Mit viel Liebe zum Detail wurde die historische Stuckfassade zur Straße wiederhergestellt und die neue Aufstockung in den Bestand integriert. Ebenso dezent wurden die neuen Mülltonnenschränke in den Stuck der Frontfassade eingelassen. Energetisch setzt das komplett mit neuer Haustechnik ausgestattete Wohnhaus bei Heizung und Warmwasser auf die sehr umweltfreundliche Fernwärme, die für die gesamte Straße akquiriert wurde. Die erhaltenen Stuckdecken wurden – ebenso wie die Gebäudetrennwände – durch einen neuen Fußbodenaufbau schallgedämmt. Der Stuck an den vier Meter hohen Decken konnte fast komplett erhalten und restauriert werden, er wurde teilweise aber auch bewusst in seiner historischen Brüchigkeit belassen. Die Original-Türblätter und -Zargen wurden aufgearbeitet. Ergänzt wird der gerettete Altbaucharme durch hochwertige, langlebige, teils historisierende, teils moderne Materialien, die einen spannungsreichen Dialog entstehen lassen.

www.schillerarchitecture.de

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 03|20)

Architekten:

Schiller Architecture
www.schillerarchitecture.de

Grosser Architekten
www.grosserarchitekten.de

Energieberatung:

Planungsbüro Entech
www.planungsbuero-entech.de

Innenausbau:

Tischlerei Mangel
www.richard-mangel.de

Rohbau:

Bauunternehmung Kret
www.kret-gmbh.de

Parkett:

Engelhardt
www.engelhardt-raumausstattung.de

Fenster, Türen:

Tischlerei Inhestern
www.tischlerei-inhestern.de

Fliesen:

Ramadani
www.fliesenfachbetrieb-ramadani.de

Restaurierung:

Stuck Thywissen
www.stuck-thywissen.de

Dachdecker:

Willmes
www.willmes-dach.de

Fassade:

Maler- und Lackierermeister Matthias Cremer
www.maler-und-lackierer.com

Metallbau:

Podszus
metallbau-podszus.jimdofree.com

Fotos:

andreasjung.com

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