Ruhe, Wärme und Identität
Neues Innenraumkonzept verbindet Großzügigkeit mit Intimität
Ein dreigeschossiger Flachdachbau aus dem Jahre 2018 war ursprünglich vor allem funktional gedacht. Nüchterne Materialien, Vinylböden und ein Treppenhaus mit der Atmosphäre eines Bürogebäudes prägten den Charakter. Für eine Unternehmerfamilie, die das Haus als temporären Wohnsitz nutzt und regelmäßig Gäste empfängt, fehlte jedoch genau jene Qualität, die hochwertige Wohnräume ausmacht: Wärme, Ruhe und eigene Identität.
Ewich Innen Architektur entwickelte deshalb innerhalb weniger Monate ein neues Innenraumkonzept, das den Bestand nicht radikal verändert, sondern gezielt neu interpretiert. Statt aufwendiger baulicher Eingriffe konzentrierten sich die Innenarchitekten auf Materialien, Licht und eine präzise räumliche Ordnung. So entstand ein Haus, das heute deutlich wohnlicher und großzügiger wirkt, ohne seine klare Architektur zu verlieren. Besonders sichtbar wird dieser Ansatz im Treppenhaus. Wo zuvor reine Erschließungsfläche dominierte, erzeugen Eichenholz-Lamperien, indirekt beleuchtete Handläufe und sorgfältig platzierte Wandleuchten heute eine warme, fast wohnliche Atmosphäre. Die vertikale Verbindung der Geschosse wird damit selbst Teil des Raumerlebnisses.
Auch die Materialwahl folgt einer klaren gestalterischen Haltung. Da die geringe Aufbauhöhe keinen klassischen Holzboden zuließ, integrierte das Innenarchitekturbüro Eichenholz über Einbauten, Wandverkleidungen und handwerklich ausgeführte Fensterlaibungen in das Haus. Ergänzt wird die warme Materialität durch fugenlose Spachtelböden und Kalkmarmorputz in zurückhaltenden Grautönen. Das Ergebnis wirkt ruhig, hochwertig und selbstverständlich. Jedes Geschoss erhielt zudem eine eigene Atmosphäre. Kräftigere Farben im Erdgeschoss schaffen Offenheit und Aufenthaltsqualität für Gäste, während die privaten Räume im Obergeschoss bewusst heller und zurückhaltender gestaltet wurden. Maßgefertigte Einbauten strukturieren die Räume präzise und sorgen für Ruhe im Detail.
Das Herzstück des Hauses liegt im Dachgeschoss. Hier entwickelten die Innenarchitekten einen offenen Wohnbereich, der Großzügigkeit und Intimität verbindet. Eine freistehende Eckbank gliedert den Essbereich; ihre Rückenlehne aus dichroitischem Glas verändert je nach Lichteinfall subtil ihre Wirkung. Der lange Esstisch wird dadurch zum sozialen Mittelpunkt des Hauses – ein Ort für Begegnung und gemeinsame Abende. Den ruhigen Gegenpol bildet ein freistehender Kamin mit eigens entworfenem Liegesofa. Dieser Bereich dient nicht der Inszenierung, sondern dem Rückzug.
Fotos:
Lars Gruber
www.larsgruber.de
(Erschienen in CUBE Frankfurt 02|26)





