Nachahmenswert
Doppelhaushälfte im Neubaugebiet bietet auf kleiner Fläche zwei Mieteinheiten
In einem Neubaugebiet hatte der Architekt Markus Mucha die herrausragende Aufgabe, eine Doppelhaushälfte zu planen. Nicht nur die Grundstücksfläche von gerade einmal 200 m² setzte ihm enge Grenzen – auch der Bebauungsplan beinhaltete einige restriktive Vorgaben. Von Seiten der Bauherren kam der Wunsch nach einer ökonomischen und langlebigen Bauweise mit hochwertigen Komponenten. Sowohl Haustechnik als auch Gestaltung und Materialität sollten nachhaltig ausgelegt sein. Wichtig war den Bauherren zudem, dass das KfW-Effizienzhaus 40 kompakt und flexibel nutzbar ist, sodass es sich zur Vermietung eignet. Noch entstehen in ähnlichen Randgebieten von Ballungsräumen kaum individuelle Mietobjekte. Architekt Mucha sieht in ihnen ein attraktives Konzept und eine Alternative zu den typischen Wohnbauten von Bauträgern.
Auf einer Wohnfläche von 153 m² nimmt das 3-geschossige Gebäude zwei Wohneinheiten mit 126 m² und 27 m² auf. Sie lassen sich koppeln und gemeinsam nutzen. Im Erdgeschoss befinden sich neben den Eingängen auch die Einliegerwohnung, die Garage und ein Technikraum. Durch die Hanglage konnte die Garage teilweise unter das Gebäude geschoben werden. Im Obergeschoss öffnet sich der Wohnbereich nach Süden zum Garten. Eine zentrale Treppe optimiert die Verkehrswege. Die Küche fungiert gleichzeitig als Bartresen. Sie trennt den geschlossenen und introvertierten Wohnbereich vom komplett verglasten Essbereich. Ein offenes Treppenhaus mit Dachverglasung führt ins Dachgeschoss mit drei Schlafzimmern und Bad.
Lebendig kontrastiert die grobe Putzstruktur der Fassade mit den präzise eingesetzten Fenster- und Türelementen. Charakteristisch für die Fenster sind die umlaufende Fuge und der schmale überstehende Metallrahmen, ergänzt durch geschlossene, flächenbündige Paneele als Öffnungsflügel. Außenliegende Textilscreens aus Mikrofaser schützen die Räume vor starker Sonneneinstrahlung. Auch im Inneren dominiert ein Wechselspiel zwischen den ruppigen Oberflächen der Böden, Wände sowie Decken und den flächenbündigen Möbeleinbauten. Auch die filigrane Treppenkonstruktion mit integriertem und zu beiden Seiten offenem Regal bildet einen markanten Kontrast. Die Betonwände sind unverputzt und weiß gestrichen. Die Akustikdecke besteht aus dunkel gefärbten Holzfaserplatten.
Fotos:
Zooey Braun
www.zooeybraun.de
(Erschienen in CUBE Stuttgart 03|21)