Vielfalt in der Einheit

Neues Entree der Stadt Offenbach schafft urbane Durchmischung und qualitative Lebensräume

_DSC5763_19_700pixel

Lange lag das Grundstück, auf dem ehemals die Werkzeugmaschinenfabrik Collet und Engelhard stand, brach. Damit sah das westliche Entree zur Stadt Offenbach nicht sehr attraktiv aus. Das hat sich entscheidend geändert. Denn auf dem 1,8 Hektar großen Areal zwischen Bernard- und Berliner Straße ist mit dem Goethequartier eines der größten Wohnbauprojekte der Stadt entstanden. Bis Anfang des Jahres 2021 wurden mit 327 Mietwohnungen (rund 25 Prozent davon gefördert), einer Kita, einem Supermarkt sowie weiteren Laden- und Büroflächen und Parkmöglichkeiten ein urbaner Teil von Offenbach geschaffen. Diese Durchmischung definiert qualitative Lebensräume und gleichzeitig Stadträume an der Grenze zu Frankfurt, nahe Kaiserlei und dem Hafen Offenbach neu.
 
Das vom Frankfurter Architekturbüro Landes & Partner geplante Projekt setzt dabei die gründerzeitliche Blockrandbebauung des Offenbacher Nordends bis zum Goethering fort und fügt sich in Größe und Maßstab in die vorherrschende städtebauliche Struktur sowie die bestehende Kleinteiligkeit ein. „Die Wohnhäuser des Blocks sind so aufeinander abgestimmt, dass ‚Vielfalt in der Einheit‘ zum Ausdruck kommt. Es entsteht eine großstädtische Anlage, die sich als Einheit darstellt und dennoch die Idee von Einzelgebäuden an jedem Haus ablesbar macht. Über das Zusammenfassen einzelner Häuser entsteht ein städtischer Häuserblock“, erläutert Landes das Konzept, wofür das Paris des 19. Jahrhunderts Pate stand. Die homogenen Wohnblocks des Baron Haussmann waren in Farbigkeit und Komposition der Fassade ein Vorbild – auch wenn die Architekten die Pläne des früheren Pariser Stadtplaners ins Hier und Heute übersetzt und radikal zeitgemäß umgesetzt haben.

Alle Häuser haben eine Putzfassade und Natursteinelemente sowie ein darauf abgestimmtes Farbkonzept, welches zur Gliederung der Fassaden beiträgt. Die Anordnung von Fenstern mit unterschiedlichen Farben und teilweise differenzierten Fenstergewänden, Fensterfaschen und Fensterbänken aber auch Gestaltungselemente wie Austritte, Balkone, Loggien sowie Vor- und Rücksprünge in der Fassade stellen dabei den Charakter von Einzelhäusern her. Dieses Charakteristikum wird durch die Differenzierung der Oberflächen mittels Putz- und Materialstrukturen weiter verstärkt. Jedes Haus wird separat von außen erschlossen und jeder Hauseingang ist als ablesbarer Eingang gestaltet, welcher im Zusammenspiel mit der Fassadengliederung und dem Farbkonzept des jeweiligen Hauses eine eigene Adresse ausbildet.
Die städtebauliche Höhenentwicklung der Gebäude nimmt nach Nord-Osten in Richtung Bernardstraße ab. Die Eckgebäude werden als Hochpunkte akzentuiert und ihre Außenkanten abgerundet. So krönen beispielsweise eine erhöhte Attika und eine Dachpergola das Eckgebäude an der Berliner Straße. Großstädtisches und südliches Flair verbreiten sechs Häuser mit zweigeschossigen Rundbogenarkaden an der Berliner Straße und im Übergang zum Goethering. In diesem Bereich erstrecken sich Gewerbeflächen über zwei Geschosse, wobei die Arkaden eine optische Pufferfunktion zwischen Gewerbe und den darüber liegenden Wohnungen übernehmen. Im Sinne einer verdichteten Bebauung sind im Quartiershof sieben fünfgeschossige Mehrfamilienwohnhäuser errichtet worden, deren wertige Gestaltung unter anderem der Eingangsbereiche den Villencharakter hervorheben.

Alle Wohnungen profitieren von ausgedehnten Freiflächen, sei es in Form von Balkonen, Vorgärten, Terrassen oder Dachterrassen in den obersten Geschossen. Im Innenhof, der von mehreren Seiten erreicht werden kann, sind großzügige Grün- und Spielflächen realisiert worden. Die Hoffläche zwischen den Gebäuden wurde nicht nur als Sozialabstand, sondern als grüne, lebendige Kommunikationszone gestaltet. Terrassen und Vorgartenzonen im Erdgeschoss unterstützen diese Haltung. Viele Balkone und Loggien, die weit in den Gemeinschaftsraum hineinragen, schaffen ein Gefühl von Freiheit in der Begrenzung. Somit sind die Grenzen zwischen außen und innen, Privatheit und Gemeinschaft durchlässig, was von den Bewohnern sehr gut angenommen wird.

www.landes-partner.de

Fotos:

Pascal Schirmer
www.pascalschirmer.de

(Erschienen in CUBE Frankfurt 04|21)

Nothing found.

Klein Gebaut – groß gedacht

Das „Schwarze Haus im Grünen“ als Modell für modernes Bauen

Die Technik bleibt unsichtbar

Neubau mit Fokus auf biophiles Design setzt auf modulare Fassadenbegrünung

Die Bienen

Haushaltsauflösung & Entrümpelung

Ein klares Statement

Test- und Innovationszentrum für den Motorsport mit aerodynamischer Architektur

Nothing found.

vitra_HDS_08_19_700pixel

Form Follows Culture

Agenturbüro mit Coworking-Plätzen hebelt bekanntes Designprinzip aus

2881_07_700pixel

Gelungene Symbiose

Einladende Kita in Steinbach spiegelt das pädagogische Konzept wider

_Z4A4218_19_700pixel

Gelungene Verbindung

Bau in Holztafelbauweise ergänzt Bruchsteinhaus mit Scheune

220130010_19_700pixel

Lichtdurchflutete Geborgenheit

Grundschul- und Kita-Neubau schafft Raum für Ordnung und Lebendigkeit

Offen und transparent

Schneider + Schumacher Architekten, GBG/Gero Ulmrich

Grünes Refugium

Ein ganzjährig blühender Garten verbindet sich mit dem Wohnsitz

wbo-09-bernoully-full-12-_15_700pixel

Aus einem Guss

Das Raumprogramm sollte auf eine vierköpfige Familie zugeschnitten sein, auf der Wohnebene sollte größtmögliche Offenheit herrschen und es sollten…

lwf_0317-2022-6775_15_700pixel

Zukunftsperspektive

Ein kernsaniertes Geschäftshauses fordert seine Nachbarn heraus