Wohnen statt Parken

Ein halbiertes Parkhaus schafft Platz für vier Wohnhäuser am Gleispark

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Der große italienische Baumeister Renzo Piano entwarf direkt am Schöneberger Ufer, gegenüber dem Potsdamer Platz eine knapp 200 m lange, viergeschossige Hochgarage mit drei charakteristischen Tonnengebäuden, die der Einfahrt und Ausfahrt dienten. Wohl in Erwartung des zunehmenden Verkehrs nach Fertigstellung des 6,8 ha großen Bebauungsgebiets des Potsdamer Platzes war die Garage sehr großzügig dimensioniert und im Jahr 2000 fertiggestellt. Wie sich später herausstellen sollte, lag der tatsächliche Bedarf an Stellplätzen nicht mal bei 50 Prozent. Ein ausgewählter Wettbewerb mit acht Teilnehmern wurde ausgelobt, dessen Aufgabe es war, Lösungen für den Rückbau der Garage und der Bebauung des neu entstandenen Baugrundes für Wohnen zu schaffen.

Die Bestandsgarage schließt im Osten an die S-Bahngleise und im Westen an den Park an. Der Wettbewerb sah vor, den westlichen Abschnitt der Bestandsgarage abzubrechen – sprich um die Hälfte der Breite zu reduzieren –, um anschließend die gewonnene Fläche einer Wohnnutzung zuzuführen.

KSP Engel hatte die Idee, das Volumen vom Bestandsparkhaus abzurücken, um zum einen die Themen der einseitigen Belichtung und Belüftung zu lösen und zum anderen sollte ein Spannungsfeld zwischen den beiden Baukörper geschaffen werden, welches auch für die Bewohner erlebbar ist. Es entstand ein sechsgeschossiger Baukörper mit der stattlichen Länge von 185 m, der in vier Wohngebäude unterteilt ist. Sie sind so angeordnet, dass sie einander nicht verschatten. Leicht gegeneinander versetzt stehen sie in Reih und Glied und bilden eine bewegte, aber klare städtebauliche Raumkante zum Park hin. 178 Wohnungen entstanden hier – vom Miniapartment bis zur Vierzimmerwohnung, von der Maisonettewohnung bis zum Penthouse mit Dachterrasse. Alle Wohnungen sind nach Westen mit Blick ins Grüne auf den Gleispark ausgerichtet. Sie sind durch Arkadengänge von begrünten Innenhöfen aus erreichbar, die gleichzeitig als Lichthöfe für die nach Osten ausgerichteten Räume und Treppenhäuser fungieren. Die Entwerfer hoffen, dass sich hier ein reger Austausch zwischen den Bewohnern entwickelt. Den räumlichen Abschluss zum Parkhaus hin bildet die Rückwand des Lichthofes, die durch Rankpflanzen begrünt werden soll. Das Wohnprojekt wurde 2020 fertiggestellt und ist mittlerweile so gut wie komplett vermietet oder verkauft.

Die Häuser 1 und 2 bieten möblierte oder unmöblierte Apartments zur Vermietung an. Sie sind unterschiedlich groß – je nachdem, ob sie für Singles oder Paare gedacht sind. In Haus 3 und 4 befinden sich Eigentumswohnungen. Die Größen variieren zwischen 25 bis 178 m² bei einer Raumhöhe von 2,80 m. Alle Wohnungen haben Fußböden aus Eiche und Balkone, die sich jeweils über die gesamte Breite der Wohnung erstrecken. Markantes Detail sind die Balkongeländer­stäbe, die in ihrer Tiefe variieren und daher den dynamischen Schwung der Fassade nochmals im Detail nachzeichnen und verstärken. Die Gebäude sind unterkellert und werden über die gesamte Länge als Tiefgarage genutzt. Es gibt 72 Stellplätze und zudem 250 Fahrradstellplätze. Der neue Wohnungsbau am Gleispark ist ein innovatives Beispiel für kreative Nachverdichtung. Durch den neuen Wohnbau wurde nicht nur das Grundstück und die Infra­strukturimmobilie aufgewertet, sondern auch der Park am Gleisdreieck.

www.ksp-engel.com

Fotos:

Adrian Schulz
www.adrianschulz.de

(Erschienen in CUBE Berlin 02|21)

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