Reduktion als Prinzip
Die architektonischen Ideen hinter dem Entwurf des neuen Geberit-Campus
CUBE: Was gefällt Ihnen am fertigen Objekt besonders gut?
Eberhard Schlag: Zum einen die konzeptionelle Ebene: Unser Gesamtkonzept ist wirklich aufgegangen. Unser Ziel war es, die Marke Geberit ganzheitlich zu präsentieren – und genau das sieht man hier. Ein großer Vorteil war, dass wir sowohl die Architektur als auch die Ausstellungsgestaltung und Szenografie verantworten durften. Oft sind diese Aufgaben auf verschiedene Planende verteilt, hier konnten wir alles aus einem Guss entwickeln. Und zum anderen die Designebene: Alles leitet sich vom Quadrat ab – von der Architektur über die Proportionen bis hin zu den Ausstellungsobjekten und Medieninstallationen. Eine besondere Herausforderung war die Reduktion. Gerade bei Geberit, wo viel Technik integriert werden muss, ging es darum, alles so zu gestalten, dass am Ende ein ruhiger, klarer Raum entsteht.
Woran zeigt sich diese Reduktion konkret?
Der Raum besteht im Grunde aus nur drei Materialien. Da ist zunächst der Beton – ein sehr starkes, ehrliches Material, das auch für Geberit sinnbildlich ist. Beton steht für den Rohbau, hier setzen ihre Installationen an. Dieser Gedanke findet sich dann in veredelter Form im Boden wieder. Dazu kommt eine sehr ruhige Deckenebene und als warmer Kontrast das Holz. Eiche ist grundsätzlich ein sehr hochwertiges und fein wirkendes Holz. Gerade in dieser Sortierung entfaltet es eine große Ruhe.
Welche Rolle besitzt das Licht im Raum?
Eine ganz wesentliche. Tagsüber spielt das Tageslicht eine große Rolle. Der Raum ist relativ tief, deshalb haben wir Lichtbänder eingeführt, die das Licht filtern und immer wieder neu in den Raum lenken. Dadurch verändert sich die Atmosphäre im Laufe des Tages permanent. Abends und nachts war es uns wichtig, eine angenehme Aufenthaltsqualität für Arbeit und Veranstaltungen zu schaffen.
Der Bau erinnert an ein modernes Museum. War das so gewollt?
Ja, das ist absolut beabsichtigt. Wir kommen aus der Museumsarchitektur und Ausstellungsgestaltung – und genau so sind wir auch an dieses Gebäude herangegangen. Es sollte kein klassischer Showroom für einen Sanitärhersteller werden, sondern eine Marken- und Produktinszenierung. Die Produkte werden hier wie Exponate in einer hochwertigen Ausstellung präsentiert. Das war ganz klar unsere Aufgabe. Nachhaltigkeit war ein zentrales Ziel des Projekts. Das Gebäude ist DGNB-Gold-zertifiziert, also nach einem umfassenden Kriterienkatalog ausgezeichnet worden. Ein wichtiger Aspekt ist die Regenwassernutzung: Das Wasser wird gesammelt, zwischengespeichert und für die Bewässerung der großzügigen Außenanlagen genutzt, die sowohl Mitarbeitenden als auch Besuchenden zur Verfügung stehen. Zur Energieversorgung setzen wir auf Geothermie mit Tiefenbohrungen sowie auf eine große Solaranlage.
Herr Prof. Schlag, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Barbara Brubacher (freie Redakteurin für Architektur und Interior Design).
Prof. Eberhard Schlag, Dipl.-Ing. Architektur, BDA
Eberhard Schlag gehört zum Team der Gründung von Atelier Brückner im Jahr 1997, ist seit 2008 Partner und seit 2018 Präsident von Atelier Brückner Korea Ltd. In Singen geboren, studierte er Architektur an der Universität Stuttgart und im Masterprogramm des Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago. Seit 2010 ist er Professor für Architektur und Design an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz (HTWG); von 2020 bis 2024 war er zudem Prodekan der Fakultät für Architektur und Gestaltung. Der Architekt blickt auf 25 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung ambitionierter, hochkomplexer nationaler und internationaler Architektur- und Ausstellungsprojekte zurück. Dazu zählen die Cyclebowl auf der Expo 2000 in Hannover, das BMW Museum in München, das Hyundai Motorstudio in Seoul und die Wagenhallen in Stuttgart.
Foto:
Tom Maurer
www.tommaurer.de
(Erschienen in CUBE München 01|26)