Heimat und Haltung

Reduziertes Hausensemble bietet Raum für zwei Familien

Am Rand eines Waldes bei Bad Kreuznach steht ein Ensemble aus zwei Häusern, die leise wirken und doch Haltung zeigen. Auf einer ehemaligen Konversionsfläche der US-Streitkräfte entwickelten hdg Architekten dieses Ensemble, das sich in die Flachdachstruktur der 1960er-Jahre-Nachbarschaft einfügt und zugleich eine neue, eigene Adresse formuliert. Drei klar gefasste Module pro Haus, gruppiert wie ein kleines Dorf um einen gemeinsamen Platz, schaffen Nähe ohne Enge für die eigenen Familien.

Der Weg dorthin war alles andere als trivial. Da die Fläche planungsrechtlich nicht klar definiert war, musste das Projekt nach § 34 BauGB beurteilt werden. Entscheidend war das Einvernehmen mit der Nachbarschaft, um die Erschließung der beiden Häuser zu sichern. In persönlichen Kennenlerngesprächen wurde Vertrauen aufgebaut – eine soziale Vorleistung, die dem späteren Miteinander der beiden Familien auch räumliche Substanz verleiht. Konstruktiv setzt das Projekt auf radikale Reduktion und Eigenleistung, um die Kosten niedrig zu halten. Der Bodenaufbau aus Schotterpaket, Dämmlage und überhöhter Sichtestrichschicht ersetzt die klassische Bodenplatte. Das ausgehobene Material blieb im Streifenfundament-Ring und musste nicht entsorgt werden – ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Die Außenwände tragen Seekieferplatten als sichtbare Oberfläche; eine zusätzliche Installationsebene entfällt. Die konsequente Verlegung der Leitungen in die Wände führt zu ruhigen, zugleich lebendigen Innenfassaden. Der massive Kern mit Kalkputz reguliert als Speichermasse die Feuchte und sorgt für ein gesundes Raumklima.

Die Häuser funktionieren wie kleine Städte. Eine zentrale Halle bildet das Herz, von dem „Straßen“ und „Gassen“ in Rückzugsräume und Arbeitsnischen führen. Drei Module strukturieren das Leben: Wohnen, Rückzug sowie ein Außenlager für Mobilität. Drei Türen, elf Fenster und ein Innenfenster pro Haus choreografieren Blicke und Licht.

Die Räume sind so flexibel gedacht, dass sie heute einer jungen Familie und später einer Servicekraft im Alter Platz bieten. Mit reduzierter Technik – einem Ofen für die Übergangszeit und einer einfachen Fußbodenheizung – konzentriert sich das Ensemble auf das Wesentliche. Im Sommer öffnet es sich großzügig zum Garten, im Winter bündelt es sich auf rund 120 m² beheizte Fläche.

So entsteht eine „geborgene Höhle“ mit weiter Aussicht – ein Wohnraum, der zwischen Intro- und Extrovertiertheit oszilliert und seinen Bewohnern über Generationen hinweg tragfähigen Raum bietet.

www.hdg-architekten.de

Wohnfläche: 2 x 120 m²
Grundstücksgröße: 2.800 m²
Bauzeit: 14 Monate
Bauweise: Holzständerbau
Energiekonzept: KFW 55, Fußbodenheizung, Ofen

Fotos:
Lennart Wiedemuth
www.lennartwiedemuth.com

(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)

Architektur:

hdg Architekten BDA
Henninger und Lachenmann
www.hdg-architekten.de

Rohbau:

Gerharzbau
www.gerharz-bau.de

Holzbau/Fassade:

Holzbau Lehmann
www.holzbaulehmann.de

Estrich:

Estrich Rickes
www.estrich-rickes.de

Schreinerarbeiten:

Parallelwerk
www.parallelwerk.de

Fenster:

Roehn Metallbautechnik
www.roehn-mt.de

Armaturen Bad:

Steinberg
www.steinberg-armaturen.de

Innenleuchten:

Flos
www.flos.com
Midgard
www.midgard.com

Kamin:

Stuv
www.stuv.com
Skantherm
www.skantherm.de

Innentüren:

Trep piu
www.trep-piu.com

Schalterprogramm:

Jung
www.jung-group.com

Außentüren:

Schüco
www.schueco.com

Fenster:

Velfac
www.velfac.de

Küchentechnik:

Smeg
www.smeg-professional.com
Bosch
www.bosch.de

Heizungsanlage:

Buderus
www.buderus.de

Duschtasse:

Bette
www.my-bette.com

Küche/Becken:

Franke
www.franke.com

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