Zimmer unter freiem Himmel

Feldbrandklinker rahmen das Grün eines abwechslungsreichen Hinterhofs

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Grünflächen in Innenstädten sind rar. Viele sind im Straßenbild nicht sichtbar, liegen versteckt in Hinterhöfen. Diese privaten Rückzugsorte beeinflussen nicht nur die unmittelbar Begünstigten, sie wirken sich insgesamt positiv auf das Stadtklima aus. Auch aus diesem Grund sollte eine solche Kostbarkeit bestmöglich genutzt und belebt werden mit Freiflächen zur Entspannung sowie mit einer Bepflanzung, die Menschen und Insekten guttut. Mitten in der Altstadt entstand genau dies auf einem Gartenstück, das zu einer frisch sanierten Altbauwohnung gehört. Wo in früheren Zeiten Wäsche getrocknet und Gemüse angebaut wurde, haben die Profis von Richter Garten einen Außenraum entstehen lassen, der den Wohnraum nicht einfach erweitert, sondern ergänzt.

Die 100 m² große Fläche, mehr lang als breit, wird zu drei Seiten von etwa zwei Meter hohen Mauern aus Feldbrandklinkern eingefasst. An der vierten Seite schließt der Wohnraum an, dazwischen befindet sich eine großzügige Holzterrasse. Die war der eigentliche Ausgangspunkt für die Neugestaltung des Gartenstücks, ein weiteres Zimmer sollte sie werden, eines unter freiem Himmel. Eine Einfassung aus 10 cm starken Betonplatten von Schellevis in der Optik von Basaltlava fasst die Terrasse und überwindet den Höhenunterschied zum tieferliegenden Garten. Das Material eignet sich für Wege, Treppen und Aufkantungen und macht zudem eine weitere Steinart überflüssig. So ziehen sich Wege und Beeteinfassungen in Grau durch die grüne Bepflanzung aus japanischem Ziergras und Schlitzahorn. Aufgelockert von den leuch­tenden Farbtupfern der lilafarbenen Kugelblüten des Zierlauchs und insektenfreundlichen Stauden um die Terrasse.

Durch die eingerückte Verlegung scheinen die Treppenstufen zu schweben, wirken ihrer Masse zum Trotz leicht. Eine optische Finesse, die sich auf der im hinteren Gartenstück gelegenen zweiten Terrasse wiederholt. Hier öffnet sich der Boden für einen Teich, der sich unter der Terrasse und der angegliederten Sitzfläche auszudehnen scheint. Tatsächlich befindet sich unter der Terrasse eine Filteranlage, die das mit Zyperngras bepflanzte Regenerationsbecken des Teichs unterstützt. So lässt sich ganzjährig sorglos kneippen. Und an heißen Sommertagen eignet sich das ein Meter tiefe Becken perfekt als Freiluftbadewanne. Schöner kann eine Erfrischung kaum sein.

www.richter-garten.de

Fotos:

Annike Richter
Kai Stein

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 01|22)

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