Bauernhof wird Feriendomizil

Umbaumaßnahmen verbinden alte Gebäudeteile mit neuen Ideen

Mal stimmt die Größe nicht, mal fehlt es an Nachfolgern: Auch in diesem Fall wurde die zuletzt im Nebenerwerb betriebene Landwirtschaft schließlich aufgegeben. Die Frage war nun: Was tun mit den Gebäudeteilen des Bauernhofs? Nachdem zunächst mit dem „roten Haus“ ein Neubau für die Eigentümer errichtet und der daraufhin leerstehende bisherige Wohnbereich in Gästezimmer verwandelt worden war, entwickelte sich der Gedanke, den Bauernhof in ein Feriendomizil zu verwandeln, immer weiter. Was zunächst als Versuch und Nebenerwerb ohne großes Risiko gestartet wurde, fand bei Feriengästen großen Anklang, so dass die Eigentümer bereit waren, mit einem zusätzlichen Raumangebot für Feriengäste im ehemaligen Stall und Heulager ein weiteres Wagnis anzugehen. Gemeinsam mit dem Architekten Alexander Nägele und seinem Team entwickelten sie ein Konzept für das ehemalige Bauernhaus, dessen unprätentiöser Charakter beibehalten werden sollte. Zugleich galt es, verborgene innenräumliche Potentiale zu entdecken und den zeitgemäßen Anforderungen an eine Ferienunterkunft gerecht zu werden. Nach dem Umbau sind in der zweigeschossigen Tennendurchfahrt ein Gemeinschaftsraum für Tagungen und Feiern, im Stall zwei Ferienwohnungen mit vorgelagertem vielfältig nutzbarem Flur sowie in der Melkkammer der Frühstücksbereich mit kleiner Küche und Theke entstanden. Das ehemalige Heulager mit weiteren drei Ferienwohnungen unterschiedlicher Größe wird über die Treppe im Silo erschlossen. Den Bauherrn war es bei allen notwendigen Eingriffen wichtig, diese auf ein Minimum zu beschränken und die baulichen Maßnahmen so zu konzipieren, dass Eigenleistung und Familienhilfe möglich sind. Einfache und natürliche Baumaterialen wie Holz, Kalkputz, Hanfkalkstein und Ziegel wurden eingesetzt. Wo es möglich war, wurden Bauteile repariert und wieder verwendet. Durch eine geschickte Einbeziehung der vorhandenen Bauteile und Strukturen entstanden funktionale und doch individuelle Räume mit besonderer Atmosphäre. Die weißen Kammern im Stall, die hölzernen Boxen im Heustadel, die Treppe im dämmerigen Silo, der hohe Gemeinschaftsraum mit großzügiger Öffnung in den Garten, der kaum zwei Meter hohe Frühstücksraum und die Zimmer im ehemaligen Wohntrakt verleihen dem Anwesen einen zeitlosen Charme und schaffen es, Altes und Neues geschickt miteinander zu verbinden. 

www.soho-architektur.de

Fotos:

d’Kammer/Isenhoff Kreativagentur
www.isenhoff.de

(Erschienen in CUBE München 01|24)

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