Alles andere als schräg

Ungewöhnliches Wohnhaus aus den 1960er-Jahren wurde mit wenigen Eingriffen zukunftsfit

Eigentlich wollte die Bauherren-Familie das erworbene Bestandsgebäude abreißen lassen und das attraktive Grundstück am Hang, mit einem beeindruckenden Weitblick auf die drei Kaiserberge, neu bebauen. Zu hoch schienen der Aufwand einer Sanierung und zu gering die Möglichkeiten, das Haus an die Vorstellungen moderner Wohnnutzung anzupassen. Umso wichtiger war daher die Einschätzung des Architekten: Patrick Schiller erkannte das Potenzial des ungewöhnlichen Wohnhauses, das Architekt Hans Weik Ende der 1960er-Jahre geplant hatte, durch einen Umbau und eine zukunftsfähige Ausstattung auf den neuesten Stand gebracht zu werden. In Wertschätzung der Arbeit des Entwurfsverfassers erhielt Schiller das Gebäude nicht nur, sondern benötigte auch nur wenige behutsame, partielle Eingriffe und Anpassungen, um ein neues Zuhause für die Bauherren-Familie zu schaffen.

Die schräg gestellten Fassaden waren ursprünglich mit Asbestplatten verkleidet. Sie wurden fachgerecht entfernt und durch eine Verkleidung mit Holz ersetzt. Das natürliche Material in seiner Lebendigkeit und die horizontale Anordnung unterstreichen den besonderen Charakter des Hauses. Ehemals farbige Elemente, wie das Metallgestänge, wurden an die gedeckte Farbigkeit des Holzes angepasst. Statt farbiger Fensterrahmen fügen sich nun dezente Kunststofffenster in die Holzfassade. Unter dem Haus befindet sich ein rund zwei Meter hohes Gerüst aus Betonbalken, das wie ein Fundament am Hang funktioniert und über eine Luke zugänglich ist. Das darauf aufgelagerte Untergeschoss besteht aus Beton, das Erd- und Obergeschoss aus einer Holzkonstruktion, ausgefacht mit Mauerwerk. Die gesamte Tragkonstruktion konnte glücklicherweise erhalten werden. Dazu kam im Untergeschoss ein großer Raum als Wohnzimmer, ergänzt durch einen kleineren Raum und einen Flur. Dieser Bereich wird derzeit von den Kindern genutzt, könnte aber auch als separate Einliegerwohnung vermietet werden. Die Räume im Erdgeschoss beließ man weitgehend in ihrer Struktur und öffnete nur die Küche zum Wohn- und Essbereich hin. Wo einst dunkle Holzdecken den Raumeindruck prägten und die Deckenhöhe optisch herabsetzten, strahlen heute weiße Flächen Ruhe und Klarheit aus. Kombiniert mit zahlreichen Holzelementen und dem bereits vorhandenen Kamin entstand eine echte Wohlfühlatmosphäre. Die sichtbaren Holzbalken fügen sich – befreit von einem ebenfalls dunklen Anstrich – stimmig ein. Während man zuvor vom Wohnraum auf das heruntergezogene Dach über dem Balkon blickte, öffnete Schiller die Aussicht auf die markante Dreigruppe aus Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen, indem das Dach über einen Knick nun nach oben gebogen verläuft. Ausgesprochener Wunsch der Familie war das gemütliche Sitzfenster. Aus drei kleinen Räumen im Obergeschoss wurde ein fließender Grundriss mit Schlafzimmer, Bad und Ankleide.

Mit vergleichsweise geringen Eingriffen ist es gelungen, ein zeitgemäßes Zuhause zu schaffen, das auch über seine technische Ausstattung mit einer Lüftungsanlage, Photovoltaik und Wärmepumpe auf dem neuesten Stand ist.

Wohnfläche: ca. 220 m²
Bauzeit: ca. 1 Jahr
Bauweise: UG massiv, EG + OG Holzkonstruktion, ausgefacht mit Mauerwerk
Energiekonzept: Photovoltaik, Wärmepumpe, Lüftungsanlage

www.schiller-architektur.de

 

Fotos:
Philipp Mürdter
www.philippmuerdter.de

(Erschienen in CUBE Stuttgart 04|24)

Architektur:

Schiller Architektur
www.schiller-architektur.de

Zimmer- u. Holzbauarbeiten:

Hermann Schleicher Zimmergeschäft
www.schleicher-holzbau.de

Metall- und Schlosserarbeiten:

Haase Geländerbau
www.haase-gelaenderbau.de

Schlosserarbeiten (Geländer u. Außentreppe):

Bayer Metallgestaltung
www.bayer-metallgestaltung.de

Dacharbeiten:

Dieter Meyer Bedachungen
www.dieter-meyer-bedachungen.de

Klempnerarbeiten:

Wissner
www.wissner-haustechnik.de

Estricharbeiten:

AEP Estrich
www.aep-estrich.com

Fensterbauarbeiten:

Türen & Fensterland
www.tuerenfensterland.de

Heizungsbauarbeiten:

Solera
www.solera.de

Sanitärinstallation:

Hans Mangold
www.sanitaer-heizung-mangold.de

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