Luxusliner an der Spree
„Dockyard“ – ein zukunftweisendes Bürogebäude in Friedrichshain
Das Schiff liegt noch in den Docks – und wird dort auch bleiben. Beim vermeintlichen Luxusliner „Dockyard“ handelt es sich um ein fortschrittliches, hochmodernes Bürogebäude in der Stralauer Allee, zwischen Oberbaumbrücke und Treptower Park, auf dem Areal des ehemaligen Osthafens. Das Gebäude entstand auf dem letzten unbebauten Grundstück in der Stralauer Allee 15–16 mit einer Fläche von 13.400 m2. Bei dem Neubau handelt es sich um ein siebengeschossiges, in Holzhybridbauweise errichtetes Bürogebäude direkt an der Ecke zur Elsenbrücke und gegenüber dem markanten Allianz-Tower am anderen Spreeufer.
Der flüchtige optische Eindruck eines geschlossenen Riegels trügt: In Wirklichkeit handelt es sich um zwei Gebäude, um einen quadratischen und einen rechteckigen Baukörper – die Verbindung bildet ein Brückengebäude, das oben bündig abschließt, unten aber einen Durchgang freilässt. Die Decke des Durchgangs ist mit einem verspiegelten Edelstahlblech verkleidet, das das Wellenspiel der Spree aufgreift. Eine Tiefgarage mit Elektro-Ladestationen bietet Parkmöglichkeiten für die Belegschaft. In allen drei Gebäudeteilen ist das Verhältnis von Holz und Beton präzise ausgelotet. Ab dem 1. Obergeschoss wurden die Decken in HBV-Bauweise ausgeführt: Holz und Beton sind schubfest miteinander verbunden. Die Eigenschaften beider Materialien kommen zur Wirkung: Das Holz trägt die Zugkräfte, der Beton nimmt die Druckkräfte auf. Unter- und Erdgeschosse erhielten Betondecken. Jedes der beiden Hauptgebäude ist über einen eigenen Eingang erreichbar, der in einer großzügigen Lobby mit einer respektablen Höhe von knapp sieben Metern mündet. Von dort aus führen Treppen und Aufzüge in die oberen Stockwerke. Ein besonderes Highlight sind die extensiv begrünten Dächer und die Dachterrassen mit Sitzgelegenheiten, von denen aus sich die Spree und das gegenüberliegende Ufer überblicken lassen. Die Fassaden bestehen aus Glasfensterelementen, die bis zum sechsten Obergeschoss reichen und alle zwei Stockwerke durch Gesimse und Lisenen gegliedert werden. An der Südfassade zur Spree hin kommen als zusätzliche Elemente versetzte, vorspringende quadratische Erker mit Balkonen an der Oberseite hinzu. An den übrigen Gebäudeseiten hingegen lockern eingeschnittene, rückspringende Loggien die Fassaden auf. Sechs von sieben Stockwerken sind für Büronutzung konzipiert. Offene Grundrisse ermöglichen den Mietern, die Flächen so zu zonieren, wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Die Erdgeschosse sind zum Teil für kommerzielle Nutzung, wie Läden oder Gastronomie, vorgesehen. Gestalterisch wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft: Die Gestaltung der Außenanlagen übernahmen Topotek 1 Landschaftsarchitekten. Kunst am Bau ist im Außenbereich, in den Lobbys und auf den einzelnen Stockwerken integriert. Bei der Planung des Projekts standen Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit von Anfang an im Mittelpunkt: So reduziert die Holz-Hybridkonstruktion den Energiebedarf bereits signifikant, aber auch die Energieversorgung für Heizung und Strom ist von vornherein auf Zero-Emission ausgelegt und ausschließlich emissionsfreie Energielieferanten kommen zum Einsatz – Sonnenenergie, Geothermie und Umgebungsluft. Zusätzlich verfügt das Objekt über einen Eisspeicher. Im Winter bedient sich dieser der Energie, die während des Gefrierprozesses freigesetzt wird. Im Sommer dient er als Zwischenspeicher für überschüssige Wärme. Die Kombination dieser Systeme ermöglicht einen nahezu CO₂-freien Gebäudebetrieb.
Fotos:
HGEsch
www.hgesch.de
(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)