Warme Atmosphäre

Praxisphilosophie: Patient:innen wie Gäste empfangen

In Poppenbüttel wurde die 220 m² große Zahnarztpraxis „32 reasons“ im laufenden Betrieb von der Designerin Marlies Kamleitner umfassend saniert und neu strukturiert. Ziel war es, die funktional gewachsene Bestandssituation architektonisch zu transformieren und zugleich eine neue räumliche Identität zu schaffen. Die ursprüngliche Praxis verfügte über eine großflächige Lobby mit mittig positioniertem Empfang, niedrigen Deckenhöhen von 2,50 Metern und unklaren Laufwegen. Der Raum wirkte ausdruckslos, zudem fehlte es an gezielter Beleuchtung und akustischer Qualität. Insgesamt blieb das Flächenpotenzial ungenutzt. Gleichzeitig bestand der Wunsch, zusätzliche Behandlungskapazität zu schaffen. Anstelle einer Erweiterung wurde ein neues funktionales Raumkonzept entwickelt.

Durch eine präzise Neuordnung von Wartebereich, Empfang und Backoffice konnte die Fläche effizienter genutzt werden. Kern des Entwurfs ist ein Raum-im-Raum-System: Zwei offen gestaltete Alkoven, verbunden durch ein prägnantes Holzlamellen-Element mit integrierter Beleuchtung, bilden das Zentrum der Praxis und steuern zugleich die Wegeführung. Durch die Neuorganisation der Flächen konnte ein zusätzlicher Raum gewonnen werden, wodurch ein weiteres Behandlungszimmer realisiert wurde. Der gestalterische Eingriff führte somit nicht nur zu einer atmosphärischen Aufwertung, sondern steigerte zugleich Funktionalität und Wirtschaftlichkeit der Praxis. Ein raumhoher, beidseitig nutzbarer Empfangsschrank trennt diskret die Patientenannahme und das Backoffice. Die neue Zonierung ermöglicht kurze interne Wege ohne Kreuzung mit Patient:innen und schafft geschützte Bereiche für vertrauliche Gespräche. Die Gestaltung folgt einem reduzierten, hotelähnlichen Ansatz. Edle Holzoberflächen mit Anti-Fingerprint-Beschichtung, Samt im Alkovenbereich sowie ein dunkler Kautschukboden mit betonähnlicher Struktur erzeugen eine warme, urbane Atmosphäre. Der Empfangstresen in Marmoroptik fungiert als prägnanter Blickfang und vermittelt Stabilität und Wertigkeit. Rauchglas-Elemente schützen die offene Treppe und setzen zugleich visuelle Akzente.

Ein differenziertes Lichtkonzept – bestehend aus Lichtvouten, integrierten LED-Streifen und frei hängenden Glasleuchten – trägt maßgeblich zur Raumwirkung bei. Umlaufende Fugen und gezielte Spiegelungen kompensieren die geringe Deckenhöhe und verleihen dem Raum optische Großzügigkeit. Mit „32 reasons“ entstand eine Praxis, die sich bewusst vom klinischen Erscheinungsbild distanziert und stattdessen auf warme Eleganz, klare Zonierung und präzise Detailarbeit setzt. Die Transformation zeigt, wie durch gezielte architektonische Eingriffe sowohl räumliche Qualität als auch funktionale Effizienz gesteigert werden können.

www.kamleitner-architektur.com

Photography:
Jakob Börner
www.jakobboerner.com

(Published in CUBE Hamburg 01|26)

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