Wie eine Komposition
Ein Musiker erhält für seine Haidhauser Wohnung ein maßgeschneidertes Interior-Design
Manchmal beginnen Interiorprojekte nicht mit einem Grundriss, sondern mit Musik. Genau dies war der Ausgangspunkt für ein außergewöhnliches Interior-Design des Büros Kintscher Interior aus Sachsenkam für einen Münchner Komponisten und Solisten. Entstanden ist ein Ort, der Wohnen und künstlerisches Arbeiten bewusst voneinander trennt – und zugleich die kreative Identität seines Bewohners räumlich erfahrbar macht. Leitmotiv des Entwurfs war die Virtuosität, emotionale Tiefe und das feine Wechselspiel von Dynamik und Stille in der Musik. Diese Haltung prägt das gesamte Raumkonzept und spiegelt sich in Materialität, Lichtführung und Atmosphäre wider.
Im Zentrum steht der atmosphärisch dichte Wohn-, Ess- und Küchenbereich. Warme, erdige Farbwelten und gewichtige Oberflächen verleihen dem Raum Präsenz und Ruhe zugleich. Eine neu entworfene Treppe verbindet diesen Bereich mit der lichteren oberen Ebene. Die grau gealterte Eichendecke sowie flächenbündig integrierte Türen unterstreichen dabei die klare, ruhige Linienführung. An der Küchenbar setzen glasierte schwarze Kacheln – teilweise mit Blattgold veredelt – Akzente und bilden einen expressiven Kontrapunkt zur warmen, zurückhaltenden Anmutung des Raums. Hinterleuchtete Kupferelemente, die mit der Zeit eine lebendige Patina entwickeln, verleihen dem Interieur zusätzliche Tiefe. Demgegenüber sorgen warme Naturtöne und Textilien in Braun- und Kupfernuancen im Wohnbereich für Ausgleich und erzeugen eine nahezu meditative Stimmung. Unikate, wie Waschtische aus versteinertem Holz, verstärken den skulpturalen Charakter des Projekts, während fein ausgeführte Kalk- und Spachteltechniken differenzierte, taktile Oberflächen entstehen lassen. Warm abgestimmte, dimmbare Lichtquellen erzeugen kerzenähnliche Stimmungen und betonen die Materialität der Räume. In Zusammenarbeit mit Perschl & Perschl Lichttechnik und durch den Einsatz ausgewählter Leuchten entstand ein fein komponiertes Beleuchtungskonzept, das den Tagesverlauf atmosphärisch begleitet und die architektonische Struktur subtil inszeniert.
Ein besonderes Highlight bildet das Lichtobjekt über der zentralen Stehtheke: Aus den wichtigsten Tönen einer Komposition des Auftraggebers wurde eine dreidimensionale Tonamplitude entwickelt. Rund 140 filigrane Stäbe formen dabei einen poetischen „Klanghimmel“ – ein skulpturales Element, das Musik in Architektur übersetzt und dem Raum eine eigene Signatur verleiht. Es wurde bewusst weitgehend auf bekannte Marken verzichtet; stattdessen standen maßgefertigte Lösungen im Vordergrund, um eine eigenständige gestalterische Identität zu schaffen.
Fotos:
Jan Kaiser
www.jankaiser.eu
(Erschienen in CUBE München 01|26)