Kommunikativer Ring

Die neue Deutschlandzentrale eines Chemiekonzerns besticht durch kurze Wege und flache Hierarchien

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Hohe, schlanke Schlote und flache, breite Tanks prägen das Bild der Industrielandschaft entlang des Rheins im Chempark Dormagen. Für jeden weithin sichtbar, aber ansonsten von der Außenwelt komplett abgeschottet und unzugänglich, reihen sich hier gut 60 Chemieunternehmen mit ihren Verwaltungsgebäuden und Produktionsstätten hinter hohen Zäunen aneinander. Der Chemiekonzern Ineos, der als einer der größten weltweit gilt, tritt mit seinem neuen Standort erstmals vor die Grenzen des verschlossenen Werkgeländes. Das Düsseldorfer Büro Structurelab Architekten hat für das deutsche Headquarter des Unternehmens einen Neubau entworfen, der ihn nahbar für die Menschen aus der Umgebung und zugleich offen und kommunikativ für die eigenen Mitarbeiter:innen macht.     

Verantwortungsbewusstsein, Offenheit und Transparenz sind Werte, die der Konzern damit nach außen transportiert. Der lediglich dreigeschossige Baukörper schafft hier bewusst keine überdimensionierte vertikale Landmarke für den Großkonzern, sondern einen auf den menschlichen Maßstab zugeschnittenen Identifikationsort, der sich auch städtebaulich harmonisch in die niedrige Umgebungsbebauung einfügt. Aber auch nach innen organisiert sich die Architektur des neuen Verwaltungsgebäudes von Ineos diesen Leitgedanken folgend: Das weitgehend öffentliche Erdgeschoss verfügt neben einem Fitnessraum über eine großzügige Kantine. Beide Räumlichkeiten sind nicht bloß den hausinternen Mitarbeiter:innen vorbehalten, sondern können von allen Angestellten auf dem Werksgelände in Anspruch genommen werden. Flache Hie­rarchien und offene Bürostrukturen in den Obergeschossen sorgen für ein demokratisches Miteinander, das die Differenzierung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern der vorherigen Generationen auflöst. So ist die runde Form des Baus nicht nur in Assoziation an die benachbarten Erdöltanks entstanden, sondern erinnert auch bewusst an Plenarsäle, wo keine Privilegien vorherrschen. Gemäß seinem Naturell fördert der Ring dabei auch stark die Vernetzung der Räumlichkeiten und der Mitarbeiter:innen untereinander. Kurze Wege im Rondell sorgen für kontinuierliche Begegnung und Kommunikation, die gezielt an den zentralen Treppenräumen mit ihren großzügigen Lufträumen gestärkt wird, ohne sich dabei störend auf die Arbeit in den Büros auszuwirken.

www.structurelab.com

Fotos:

Holger Knauf
www.holgerknauf.de

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 04|22)

Architekten:

StructureLab Architekten
www.structurelab.com

Gebäudetechnik:

Lindschulte Ingenieure + Architekten
www.lindschulte.de

Brandschutz:

Rieser Wessel
www.rieser-brandschutz.de

Außenanlagen:

Scape Landschaftsarchitekten
www.scape-net.de

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