Plastisch artikuliert

Ein langer Wohnblock im Clouth Quartier besticht durch seine differenzierte Fassadengestaltung

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Über einen Zeitraum von 140 Jahren schrieb die von Franz Clouth gegründete Rheinische Gummiwarenfabrik Kölner Industriegeschichte. 2005 wurde die Produktion stillgelegt. Die Stadt Köln erwarb das 14,5 Hektar große Gelände in Nippes und ließ es von der kommunalen Planungsgesellschaft „moderne stadt“ entwickeln. Im Rahmen eines städtebaulichen Realisierungswettbewerbs wurde ein Bebauungsplan für das Clouth Quartier mit über 1.200 neuen Wohnungen, aber auch Ateliers, Gastronomie und Gewerbeflächen erstellt. Auf dieser Grundlage haben Stefan Forster Architekten aus Frankfurt am Main auf einem der letzten Grundstücke ein Gebäude mit 77 Mietwohnungen geplant, das sich über eine Länge von ziemlich genau 100 Metern erstreckt. Jeweils zwei größere Vier- und zwei Zweizimmerwohnungen liegen dabei etagenweise um ein Treppenhaus mit Aufzug gruppiert. Die größeren Wohnungen wurden so angeordnet, dass ein Durchwohnen zu beiden Seiten möglich wird.

Der Wohnblock befindet sich direkt im Zentrum des neuen Quartiers am Luftschiff-Platz, der in den letzten Jahren eine großzügige Gestaltung mit Grün-, Freiraum- und Spielflächen erfahren hat. Der realisierte Entwurf entwickelt sich über einem L-förmigen Grundriss, der im Verbund mit den gegenüberliegenden Gebäuden die Figur eines aufgelösten Blockrands beschreibt. Die fünfgeschossige Fassade wird dabei durch Einschnitte im Dachgeschoss rhythmisiert, welches als Staffelgeschoss ausgeführt wurde. Dadurch wird die Identität der einzelnen Häuser nach außen sichtbar gemacht und die Länge des Baukörpers in kleinere Einheiten strukturiert. Als positiver Nebeneffekt entsteht eine klare Adressbildung. Der rund 8.000 m² Geschossfläche umfassende Neubau zeichnet sich zugleich durch wertige Materialien und eine fein detaillierte Ausführung mit differenziertem Fassadenaufbau aus. Der in einem warmen dunklen Braunton ausgewählte Klinker wird im Erdgeschoss als Vollklinker eingesetzt, in den oberen Geschossen wurde das gleiche Material in einem dünneren Format verwendet. Der Klinker artikuliert die Fassade so, dass sich glatte und reliefartige Fassadenbereiche sowohl in vertikaler als auch horizontaler Richtung abwechseln. Die aus dem Verband hervortretenden Ziegelbänder strukturieren die Geschosse dabei besonders plastisch. Im Zusammenspiel mit den eingeschnittenen Loggien und den zurückspringenden Terrassen auf den Dachgeschossen trägt das zur Belebung des Fassadenbildes deutlich bei.

www.sfa.de

Fotos:

Lisa Farkas
www.lisafarkas.de

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 03|21)

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