Zwillinge für Großstadtnomaden

Ein Zwillingbau bestehend aus zwei Boardinghouses wurde In Oberschöneweide eröffnet.

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In Oberschöneweide, ganz in der Nähe der Hochschule für Technik und Wirtschaft, wurde vor Kurzem ein Zwillingbau bestehend aus zwei Boardinghouses eröffnet. Das Berliner Büro Sehw Architektur bezeichnet seine beiden Gebäude als „Zwillinge“. Es handelt sich um zwei ähnliche Gebäude – das schmale vorn an der Straße, das andere, breitere im Hinterhof. Sie sind gedacht für Jobnomaden, die eine vorübergehende Unterkunft während eines zeitlich begrenzten Arbeitseinsatzes in Berlin brauchen. Zwar liegen sie nicht gerade im Zentrum der Hauptstadt, sondern am Rande im Südosten.Da sie verkehrstechnisch gut angebunden sind, spielt das eine nur untergeordnete Rolle. Das schmale Gebäude schließt eine Baulücke im Sinne der Innenverdichtung in wachsenden Großstädten, ohne sie komplett zu schließen – es bleiben ein Durchgang und Durchblick zu dem rückversetzten Zwillingsbau. Das breitere allein stehende Rückgebäude gleicht sich mit seinem Standort der Nachbarbebauung an. Der Zwillingscharakter drückt sich im Innenbereich und in den nahezu identischen Fassaden aus. Beide Gebäude umfassen sechs Stockwerke und bieten Wohnraum für 50 Bewohner:innen. Auf die diversifizierte Stadtgesellschaft von heute reagieren die verschiedenen Wohneinheiten von Micro-Appartements bis zu großen Wohngemeinschaften. Die Gebäude wurden konventionell in Massivbauweise ausgeführt, die Fassaden mit glattem Putz in einem hellen Farbton. Akzente setzen die dunklen, L-förmigen Balkonelemente, die gleichzeitig Sichtschutz bieten. Zwischen den Gebäuden befindet sich ein halböffentlicher Bereich mit Freizeitmöglichkeiten und hinter dem rückwärtigen Gebäude ein sehr privater Garten, der den Bewohner:innen vorbehalten bleibt. Die Innenausstattung ist sehr freundlich in hellen blauen Tönen gehalten und mit allem, was der „Nomade“ braucht – Schreibtisch, Bett, Schrank, Kochnische und einem kleinen Bad – ausgestattet. Die Entwurfsarchitekten von Sehw charakterisieren sich so: „Sehw steht für Sinnstiftung, Emotion, Haltung und Wandel. Unsere Mission: Architektur nachhaltig bauen, innovativ denken und sozialen Mehrwert schaffen.“ Das scheint mit den „Zwillingen“ gelungen zu sein. Es wurde schon heute für die Generation von morgen und übermorgen geplant, denn nachhaltige Architektur bedeutet vorausschauende Planung und Entwicklung von zukunftsfähigen Nutzungskonzepten. In Zeiten des Wandels schaffen die Architekten mit einer innovativen, technologieoffenen Architektur Stabilität. Dies geschieht in gemeinsamer Abstimmung mit den Auftraggebern und Nutzern, im Bestreben strategisch relevante, sozial und wirtschaftlich wirkungsvolle Konzepte zu erarbeiten.

www.sehw-architektur.de

Fotos:

Helin Bereket
www.helinbereket.com

(Erschienen in CUBE Berlin 01|23)

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