Klares Konzept

Denkmalgerechter Umbau in Königstein verbindet Vergangenheit und Zukunft

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Ein Nebenhaus eines Fachwerkensembles aus dem 18. Jahrhundert hat das Büro Scharrer Architektur so umgebaut, dass das gesamte Anwesen als Mehrgenerationenhaus dienen kann. Da das in der idyllischen Altstadt von Königstein gelegene Ensemble mit seinen drei Häusern seit 2005 als Einzelkulturdenkmal geschützt ist, mussten die Architekten allein in Sachen Denkmalschutz einiges beachten. Umso mehr, da bei dem umzubauenden eingeschossigen Nebengebäude in früheren Zeiten grobe Eingriffe in die ursprüngliche Struktur des Hauses vorgenommen worden waren.
 
Der denkmalgerechte Umbau sollte vor allem aus dem Nebenbau ein weiteres Wohnhaus mit zwei Geschossen machen, weshalb unter anderem eine neue Decke eingezogen werden musste. Außerdem analysierten die Architekten alle Bauteile, um die nicht originalen Holzbauteile entfernen zu können. Bei ihrer Arbeit verfolgten sie ein klares Konzept: Alles Bauzeitliche wurde so gut wie möglich erhalten und instand gesetzt, heutige Bauteile hingegen setzen sich durch ihre Geradlinigkeit von der historischen Bau­sub­stanz ab. Besonders deutlich wird das bei dem Fensterband des Nebenbaus: „Anstelle Fenster in vorhandene Öffnungen einzusetzen, haben wir ein einziges Fensterband außerhalb der Fachwerkebene hergestellt. Da es über alle Öffnungen läuft, hebt es die verbliebenen senkrechten Fachwerkständer des Bestands hervor. Zudem schafft es Raum, bringt Licht ins Innere und gibt der Längsfassade ein neues Erscheinungsbild“, erklärt Berthold Scharrer und ergänzt: „Die Fensterbandgeometrie bildet die Grundlage für die Geometrie der Dachgauben. Gleiche Kanten werden aufgegriffen und sinnvoll nutzbare Fläche gewonnen.“ Da Fensterband und Gauben von der geltenden Altstadtgestaltungssatzung abweichen, wurden sie mit der Bauaufsicht, der unteren Denkmalbehörde und dem Magistrat der Stadt Königstein geplant und ausgeführt, die sich sehr kooperativ zeigten.

Die in früheren Zeiten durchtrennten Diagonalen der Fachwerkaußenwände  wurden nicht wiederhergestellt. Oberhalb der bestehenden Bruchsteinfundamentstreifen wurde jedoch ein durchgängig diffusionsoffener Wandaufbau errichtet. Wo nötig, wurden die Gefache genannten Räume zwischen den Holzbalken in der Giebelwand im Wesentlichen mit Lehmbaustoffen gefüllt, die die Wohnräume auch bei Hitze angenehm temperieren.

www.scharrer-architektur.de

Fotos:

Moritz Bernoully
www.moritzbernoully.com

(Erschienen in CUBE Frankfurt 04|20)

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