Mit Augenmaß erweitert

Die Jan-Wellem-Schule in Bilk bildet ein stimmiges Ensemble aus Alt und Neu

Lange waren die beiden denkmalgeschützten Jahrhundertwende-Bauten zweiter Standort des Heinrich-Hertz-Berufskollegs. Nach dessen Fortzug in einen Neubau an der Redinghovenstraße sollten die freistehenden Gebäude zum neuen Schulstandort der Jan-Wellem-Schule zusammengefasst werden, mit den Förderschwerpunkten Lernen und Soziale und Emotionale Entwicklung. bertbielefeld&partner architekten ingenieure aus Dortmund, die den Neubau für das Berufskolleg geplant hatten, wurden auch mit der Erweiterung des Bestandes an der Heerstraße beauftragt: Sie sanierten die denkmageschützten Gebäude und ergänzten diese mit Augenmaß um einen neuen Mittelbau, eine Mensa und eine Dreifachsporthalle zu einem abgestimmten Ensemble.

Die bestehenden Schulgebäude aus den Jahren um 1900 bilden im vorderen Bereich zur Heerstraße, zusammen mit dem alten Baumbestand und einer Stadtmauer, ein denkmalgeschütztes Ensemble. Der eingeschossige Neubau verbindet die beiden Schulgebäude miteinander und schafft so einen zentralen Zugang wie auch eine neue gemeinsame Adresse für die Schule, ohne das bestehende Straßenbild und die Wirkung des Ensembles nach außen zu beeinträchtigen. Ein wichtiger Aspekt der Planung war es zudem, die verschiedenen Niveaus der alten und neuen Gebäudeteile barrierefrei so miteinander zu verbinden, dass sowohl brandschutztechnische Anforderungen als auch Denkmalschutzbelange berücksichtigt werden. Eine besondere Herausforderung war außerdem Fachräume und Werkstätten mit der entsprechend notwendigen Infrastruktur zu integrieren. Aber auch optisch haben die beiden Bestandsgebäude eine Metamorphose erfahren: So wurden im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen die konstruktiven Originalstrukturen wie etwa die Kappendecken freigelegt, die durch geschlämmte Oberflächen nun dauerhaft erlebbar sind. Im konstruktiven Dialog mit der Denkmalbehörde wurden Möglichkeiten geschaffen, die klassischen Mittelflurstrukturen aufzulockern und Aufenthaltsqualitäten, Sichtbezüge und Räume für ein zeitgemäßes modernes pädagogisches Konzept zu schaffen. Im hinteren Grundstücksverlauf wurde eine neue Dreifachsporthalle ergänzt, die teilweise in das Terrain eingegraben wurde, um in der Außenwirkung das Neubau-Volumen bestmöglich dem bestehenden Gebäudeensemble unterzuordnen. Die rückseitig auch von der Mindener Straße erschlossene Sporthalle umfasst eine große Tribünenanlage und bietet somit auch für den Vereinssport vielfältige Wettkampfmöglichkeiten – insbesondere auch in speziellen Disziplinen wie dem Rhönradturnen oder dem Radball. Zwischen Sporthalle und den erweiterten Schulgebäuden ist schließlich ein grüner Innenhof entstanden, der auch als Außenklassenraum und Werkhof für das Lernen im Grünen genutzt werden kann. Der den Gebäuden vorgelagerte Zugangsbereich des Grundstücks wurde dagegen zu einem erlebnisreichen Schulhof unter dem Blätterdach des alten Platanen-Baumbestands umgestaltet.

www.bertbielefeld.com

Fotos: 

Christoph Lison
www.christophlison.com

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 01|24)

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