Metamorphose mit Substanz
Ein Mietshaus aus der Gründerzeit in Düren-Nord wird zum großzügigen Einfamilienhaus
Teile von Düren-Nord sind seit Jahren vom Verfall des Gebäudebestandes betroffen. Um die Sanierung aktiv zu fördern, wurde 2017 unter Mitwirkung von Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen aus Köln erstmals eine Gesamtstrategie für den Stadtteil skizziert, die von der Dürener Stadtverwaltung weiterentwickelt wurde. Das daraufhin festgelegte Sanierungsgebiet stärkt die baurechtlichen Handlungsmöglichkeiten der Stadt und eröffnet zugleich Fördermittel vom Bund und dem Land NRW. Unter den problematischen Objekten des Stadtteils befand sich auch das hier vorgestellte Wohnhaus. Simon Pollnau vom Dürener Büro Korb Architekten war jedoch vom Potenzial des Gebäudes überzeugt: Er kaufte das Haus und wandelte es mit viel Eigenleistung zu einem Domizil für seine junge Familie um. Für den damals frisch graduierten Master-Architekten war dies ein willkommenes Lernprojekt, das ihn über drei Jahre hinweg mit breiter Erfahrung im Umbau historischer Bausubstanz bereicherte.
Das Wohnhaus war ursprünglich etagenweise vermietet und die Grundrisse entsprechend kleinteilig angelegt. Leitidee des Entwurfs war es, das stadtnah gelegene Dreifensterhaus zu einem großzügigen Familiendomizil auf vier Etagen umzubauen und dabei von der vorhandenen Bausubstanz so viel wie möglich zu erhalten. Um ein großzügiges Raumgefühl und Tageslicht in den Mittelzonen zu schaffen, wurden auf allen Ebenen fast alle nichttragenden Trennwände entfernt und bestehende Öffnungen im Mauerwerk erweitert. Über Esszimmer und Küche im Erdgeschoss hinaus wurde im Wohnzimmer des ersten Obergeschosses ein Teil der Decke entfernt und eine Empore geschaffen. Die zweite Etage beherbergt die Kinderzimmer mit Bad, im dritten Stock entstand der separierte Elterntrakt mit eigenem Bad und frei stehender Badewanne. Der bauliche Zustand der Immobilie rührte vor allem von laienhaften Baumaßnahmen der 1990er-Jahre: So war die charakteristische Ziegelfassade zwar noch erhalten, jedoch mehrfach überstrichen worden, sodass Oberflächen abgebeizt und neu verfugt werden mussten. Alle Fenster konnten dank städtischer Fördermittel historisch anmutend zweiflügelig erneuert werden – mit Oberlicht und Spitz- bzw. Rundbögen.
Innen kamen unter Laminat und PVC relativ gut erhaltene Dielenböden wieder zum Vorschein, die leicht aufgearbeitet werden konnten. Zudem wurde eine Lehmdecken-Heizung auf allen Etagen verbaut, die durch eine hybride Wärmepumpe gespeist wird und im Sommer für Kühlung sorgt. Außerdem wurden viele Originalbauteile durch Abbeizen von Lackschichten befreit – etwa die Treppe oder die alten Türzargen. Für die Wände kamen natürliche Lehmputze und Kalkfarben zum Einsatz, die sich besonders harmonisch zum vorhandenen Ziegelmauerwerk fügen. Viele Baumaterialien aus dem Abbruch, wie etwa die Deckentragbalken, wurden ressourcenschonend an anderer Stelle wiederverwendet oder für den Möbelbau genutzt.
www.korbarchitekten.de
www.dueren.de/stadtentwicklungsprojekte
Fotos:
Simon Pollnau
(Erschienen in CUBE Köln Bonn 01|26)

