Nierentisch reloaded

1950er-Jahre inspirieren bei Anpassungen an moderne Anforderungen

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Eine Apotheke sollte umgebaut und an moderne Anforderungen angepasst werden. Der Verkaufsraum (Offizin) mit Möblierung in Nussbaum hatte einen aufgeräumten 1950er-Jahre Charme. Frühere Anpassungen des Handverkaufstischs an neue Kassensysteme waren allerdings deutlich sichtbar und die nachträglich angeklemmte Halogenbeleuchtung an der Sichtwahl sorgte für einen unschönen optischen Bruch. Da die Apotheke an einer vielbefahrenen Straße liegt, sollte die Einrichtung etwas mehr optische Lautstärke bekommen. Das Büro Klaus Bürger Architektur, das den gesamten Umbau plante, wählte daher ein kräftiges Karminrot. Ansonsten griffen die Architekten das 1950er-Jahre Design des alten Handverkaufstischs auf und erhöhten die Anzahl der Kassenplätze von zwei auf drei.

Der öffentliche Bereich der Apotheke hat eine Grundfläche von 41 m². Die Sortimentsregale und -flächen reduzieren diese Grundfläche jedoch auf nur 25 m². Da sich der Verkaufsraum nicht vergrößern ließ, mussten die Architekten eine Lösung finden, damit die Kunden so an drei Kassen verteilt werden, dass Warteschlangen sich nicht gegenseitig blockieren, zur Tür hinaus drängen und der Diskretionsabstand eingehalten werden kann. Inspiriert von Nierentischen und runden Formen wurde der neue Handverkaufstisch mit seiner Lamellenstruktur in den kleinen Raum hineingefaltet. Und zwar so, dass sich die Kunden automatisch vom Eingang entfernt verteilen. Eine sondergefertigte LED-Linie zeichnet an der Decke den Verlauf des Tresens nach.

Auch haben die Architekten einige Anpassungen auf Vordermann gebracht, die im Laufe der Jahre mit improvisierten Mitteln entstanden waren. Der Rezepturarbeitsplatz beispielsweise war nicht mehr regelkonform, die Sichtwahl unpraktisch, im Arbeitsbereich lag ein verschlissener Buchenparkett und die Arbeitsplätze wirkten zusammengewürfelt. Die Sichtwahl aus Nussbaum blieb im oberen Bereich erhalten und wurde restauriert bzw. ausgetauscht. Zwei Automatenausgaben wurden integriert. Im unteren Bereich befinden sich nun Schubkästen in Karminrot. In den Durchgang zum Arbeitsbereich wurde die Rezeptur mittels einer gebogenen Glasabtrennung eingefügt: Durch die Glasscheibe kann der Kunde ursprüngliches Apothekerhandwerk verfolgen und zusehen, wie Rezepturarzneimittel hergestellt werden. Das alte Buchenparkett wurde durch Massivholzdielen aus Nussbaum ersetzt und bildet mit den Möbeln der Offizin eine optische Einheit.

Herzstück des Lagers ist ein 8 m langer Roboter. Da die Fördertechnik nicht unter der Decke montiert werden konnte, wurden die Förderbänder sichtbar verbaut. Schließlich sollte die eindrucksvolle Raumhöhe von 3,40 m nicht mit einer niedrigen Abhangdecke ruiniert werden. Leuchten akzentuieren den Effekt und sorgen gleichzeitig für eine homogene Lichtverteilung.

www.bürger-architektur.de

Fotos:

Uwe Spoering
www.uwespoering.de

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 03|20)

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