Licht, Holz und Raum

Die Revitalisierung eines Bestandsgebäudes in Neuperlach schafft neue Arbeitswelten

Einst war der Allianz-Standort in Neuperlach ein typischer Bürokomplex der 1990er-Jahre – funktional, solide, aber ohne besonderen Charme. Heute empfängt das Gebäude seine Besucher:innen mit einer völlig neuen Atmosphäre: Lichtdurchflutete Räume, filigrane Holztragwerke und begrünte Dachterrassen prägen das neue „aer“ an der Fritz-Schäffer-Straße 9. Das 2025 mit den Iconic Awards ausgezeichnete Gebäude wurde von Pirmin Jung Deutschland (Tragwerksplanung) und den Münchner Oliv Architekten zu einem modernen, nachhaltigen Gewerbegebäude transformiert – ohne die Identität des Bestands aufzugeben.

„aer“ bietet mehr als 9.000 m² zusätzliche Fläche, ermöglicht vor allem durch die Schließung der Lichthöfe im Hauptbau mittels Holz-Beton-Verbund-Decken mit 9,6 Meter Spannweite. Zusätzlicher Raum wurde durch zweigeschossige Aufstockungen zwischen den Satelliten geschaffen, die nun flexibel nutzbare Mietflächen von 15 x 21 Meter bieten. Die Erschließung erfolgt über die zentrale Magistrale. Deren filigranes Dachtragwerk besteht aus einem Trägerrost auf V-Stützen aus Brettschichtholz und ist mit Spezialglas lichtdurchflutet. Die komplexe Kombination aus Bestandsintegration, Holzbau, hohen Lasten durch Dachbegrünung und geschlossener Montage stellte eine Herausforderung dar. Innerhalb des Gebäudes konnten keine klassischen Baukräne eingesetzt werden; fahrbare Mobilkräne platzierten stattdessen die Bauteile präzise an ihrem vorgesehenen Ort. Die Dachbegrünung mit Substrataufschüttungen von bis zu 60 Zentimetern erforderte ein exaktes Tragwerkskonzept. Die Wahl fiel auf HBV-Rippendecken, die große Spannweiten ermöglichen und zugleich kleinteilig montiert werden können. Sie ruhen auf vom Bestand losgelösten Stahlträgern, wodurch eine filigrane Optik und hohe Flexibilität erreicht wurden. Die Unterseiten der Decken bleiben als sichtbare Holzflächen erhalten – ein Zusammenspiel aus Materialästhetik, Funktion und Leichtigkeit. Die Magistrale bildet das Herzstück des Neubaus. Das Dach präsentiert sich als filigraner Trägerrost, gegliedert in dreieckige Felder. Darüber liegt eine Glasdachhaut, die das Tageslicht gleichmäßig verteilt. Die Haupt- und Nebenträger sind so angeordnet, dass die Spannweiten reduziert und die Querschnitte filigran bleiben. Verdeckte Verbindungen sorgen für eine ruhige, klare Optik. Der Raum wirkt offen, lichtdurchflutet und einladend – ein zentraler Treffpunkt für die neuen Mieter:innen. Neben der Architektur beeindruckt auch die technische Ausführung: Intelligente Haustechnik, grüne Infrastruktur und Holzbaukonstruktionen reduzieren den CO₂-Fußabdruck deutlich.

www.pirminjung.de
www.oliv-architekten.de

Fotos:
Pirmin Jung
www.pirminjung.de

(Erschienen in CUBE München 02|26)

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