Leben unter Eichen
Ein Anbau wird präzise in einen gewachsenen Landschaftsraum integriert
Es ist nicht die große Geste, mit der dieser Anbau glänzen möchte. Vielmehr ist es die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Konstruktion, die einer klaren, ruhigen Ordnung folgt, auf beeindruckende Weise in ihre Umgebung einfügt. Aus massivem Eichenholz errichtet, steht der Anbau eines Klinkerhauses am Rande eines kleinen Eichenwaldes und stellt eine Verbindung zwischen Architektur und Natur her – ganz so, wie es sich Jörgen Dreher bereits bei seiner Planung vorgestellt hatte. „Der Anbau ist weniger Objekt im Raum als vielmehr ein sorgfältig eingefügter Bestandteil des Ortes“, erläutert der Architekt aus dem münsterländischen Telgte.
Der kompakte, rechteckige Baukörper wird von einem flach geneigten Kupferdach überspannt, dessen dezente Neigung und klar ausgebildete Traufe dem Volumen eine ruhige, zeitgenössische Haltung verleihen. Das Kupferdach in Stehfalztechnik wirkt wie eine schützende Platte über dem Raum – reduziert, funktional und zugleich formal präzise. Der Baukörper sitzt auf einem Natursteinsockel aus belgischem Blaustein, der ihn leicht vom Boden abhebt und eine klare Trennung zwischen der natürlichen, unregelmäßigen Landschaft und der geometrischen Ordnung der Architektur schafft. Er ist innen wie außen sichtbar. Die Fassade ist vollständig mit vertikal gelatteten, Wärme ausstrahlenden Eichenholzlamellen verkleidet. Deren feine, rhythmische Gliederung erzeugt eine ruhige Oberfläche, die Licht und Schatten subtil moduliert und dem Baukörper Tiefe verleiht. Zur ruhigen, naturzugewandten Seite des Grundstücks öffnet sich der Raum durch großzügige Glasflächen, während er zur gegenüberliegenden Seite bewusst geschlossen bleibt.
Im Inneren prägt das sichtbare Holzdachtragwerk den Raum maßgeblich: Als skulpturale Figur rhythmisiert und formt es den Innenraum. Die geometrische Anordnung der Balken erzeugt ein komplexes, dennoch klar lesbares Geflecht, das Handwerklichkeit mit zeitgenössischer Gestaltung verbindet. Unbehandeltes Eichenholz dominiert Decke, Wände und maßgefertigte Einbauten, während ein zentral platzierter Tisch einen haptischen und visuellen Kontrast setzt. Ergänzt wird diese Komposition durch Oberflächen aus Blaustein, warmem Leder sowie lackierte Flächen in Resedagrün und einem tiefen British Racing Green in Hochglanz. Licht spielt eine zentrale Rolle in der räumlichen Inszenierung: Seitlich einfallendes Tageslicht modelliert die Holzoberflächen und verstärkt die Plastizität der Konstruktion, während eine bewusst gesetzte Leuchte als solitärer Akzent fungiert und einen subtilen Dialog zwischen Tradition und Moderne herstellt. Der Raum ist gleichermaßen repräsentativ und wohnlich – ein Ort für Begegnung, Kommunikation und Rückzug.
Fotos:
Roman Mensing
www.romanmensing.de
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 01|26)
