Das Wohnzimmer der Stadt

Die Umgestaltung des Marktplatzes von Willich besticht durch Reduktion und Flexibilität

Marktplatz_Willich_BENNER_005_15_700pixel

Einst Wahrzeichen und gute Stube der Stadt – über Jahrzehnte vernachlässigt und am Ende im desolaten Zustand: Der Marktplatz der Stadt Willich rund um die monumentale St. Katharina Kirche wurde 2012 Gegenstand eines Werkstattverfahrens, das zum Ziel hatte, einen neuen, vollkommen autofrei konzipierten, öffentlichen Ort der Begegnung in der Stadt mit einem Mehr an Aufenthaltsqualität zu schaffen. Als eines von vier Planungsbüros setzte sich das Büro Kraft.Raum. aus Krefeld über zwei Wochen in einem leerstehenden Geschäft im direkten Austausch mit den Bürgern mit der Gestaltung des neuen Marktplatzes auseinander und ging schließlich aus dem Planungsverfahren als Gewinner hervor. Nach den Vorgaben des Büros wurde der in die Jahre gekommene Platz zu einem neuen öffentlichen Platz umgestaltet, der in seiner betont reduzierten und hochwertigen Ausstattung sowohl den Anforderungen des Handels und der Außengastronomie als auch den vielfältigen Bedürfnissen der Stadtgesellschaft Rechnung trägt.

Das Konzept sieht zwischen der Kirche und der umliegenden Bebauung mit Geschäftshäusern eine klare räumliche Aufteilung des Stadtraumes in Ruhe-, Aufenthalts- und Aktionsräumen vor. Diese Bereiche sollten wie Intarsien in einem homogenen Stadtgrund aus Natursteinplatten entstehen, wodurch der Stadtraum in Gänze seine Kontinuität bewahrt und an die umgebenden Wegeverbindungen anknüpft. Einladend und unverwechselbar sollte zudem die Platzatmosphäre sein, weshalb schlichte, hochwertige sowie identitätsstiftende Ausstattungselemente favorisiert wurden. Generationenübergreifende Angebote und Barrierefreiheit sollten dabei ebenso im Fokus der Gestaltung stehen wie eine flexible Nutzbarkeit für Wochenmärkte, Schützenfeste und andere Events. Das vorhandene Grün aus Kugelahornen wurde zugunsten der Sicht auf die historische Kirche entfernt. Gleditschien spenden den Besuchern in Zukunft an heißen Sommertagen Schatten. Auf der gesamten Platzfläche wurden zudem helle Granitplatten aus Portugal im patentierten „Ecostone-System“ von Metten verlegt. Die unterschiedlich großen Platten, die auf Schienen montiert werden, halten den auf sie einwirkenden Kräften auch auf lange Sicht stand und minimieren den Reparaturaufwand. Die zentrale Mitte des Platzes wird dabei komplett als multifunktionale Platzfläche für Wochenmarkt und andere Stadtevents genutzt. Im exponierten südlichen Bereich wurde mit einem integrierten Fontänenfeld ein Anziehungspunkt geschaffen, der sich von einer langen Sitzbank aus beobachten lässt, während er Kinder zum Wasserspiel einlädt: Mal als Strahl, mal als Nebel springt das Wasser in unterschiedlichen Höhen aus den Fugen hervor. Ein Ort der Begegnung entstand schließlich an der Kirchenfassade: Eine großzügige Tafel erstreckt sich hier über 12 m und lädt mit Sitzgelegenheiten flexibel zum Kommunizieren und Verweilen von Jung und Alt ein. Ob gemeinsames Picknick, Gespräch unter Zufallsbekannten oder einfach nur eine Konversation mit dem Handy (das hier offenes WLAN bekommt) – was man hier auch tut, der Marktplatz ist heute wieder, was er lange nicht war: das belebt-beliebte Wohnzimmer der Stadt.

www.kraft-raum.com

Fotos:

Nikolai Benner
www.nikolaibenner.de

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|20)

Nothing found.

Haus mit zwei Gesichtern

Drei schmale Satteldächer prägen ein Doppelhaus für zwei Parteien

Zwischen Produktion und Pause

Die neue Kantine auf dem HAKRO Campus

Gesundheitsfördernd

Die Architektur des Karolinen-Hospitals Arnsberg unterstützt den Heilungsprozess

Schöner Wohnen in Winterhude

Auf einer Tiegarage in rückwärtiger Hoflage entstand dieses Haus mit viel Grün

Nothing found.

DDJ-WHIDL19-007_19_700pixel

Die Wand als Hauptakteur

Eine Stadtvilla in Lank-Latum verbindet auf effektvolle Weise Offenheit und Privatsphäre

J-Willebrand_Roermonder-Hoefe_1876-0033_15_700pixel

Niederländische Mischung

Die Roermonder Höfe verknüpfen Wohnen und Arbeiten zu einem Ensemble mit viel Freiraum

Wohnen mit Gemeinsinn

Die „Villa Pillebach“ in Gerresheim verbindet individuelles Wohnen mit einer klaren Form

Christian-Seel-01_19_700pixel

Befreite Bausubstanz

Ein Industriedenkmal wurde mit Augenmaß für das Erhaltene saniert und revitalisiert

Aktiv und robust

Neues Wohnquartier an der Wuppertaler Nordbahntrasse nimmt Fahrt auf

LSC_Duesseldorf_27_19_700pixel

Transformiertes Denkmal

Die alte Pferdeschlachthalle in Derendorf wurde zum Lern- und Studierendenzentrum umgebaut

2044_Unverpackt_M04_jpgHE_19_700pixel

Unverpackt hat Potenzial!

Einkaufen in Zero-Waste-Manier ist heute in fast jeder größeren Stadt möglich