Moderne Interpretation

Das Stadthaus im Lübecker Gründungsviertel zeigt Gespür für das historische Vorbild

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Eine bedeutende Keimzelle Lübecks ist das sogenannte Gründungsviertel, einst ein prächtiges Kaufmannsviertel. Es liegt im westlichen Teil des UNESCO-Welterbes zwischen Marienkirche und Trave. Im 2. Weltkrieg durch Bomben stark zerstört, wurde es in den 1950er-Jahren abweichend von der historischen Struktur mit zwei großen Einzelgebäuden und einem öffentlichen Parkplatz bebaut. Nach deren Verlagerung und umfangreichen archäologischen Grabungen wird seit 2017 das 10.000 m² große Areal mit 38 Grundstücken bebaut. Mit Parzellierung, Dichte, Straßenverlauf, Aufnahme der Baufluchten, Bebauung mit Giebelhäusern und gemischter Nutzung orientiert sich das neue Quartier am historischen Vorbild. Die Grundstücke wurden von der Stadt an einzelne BauherrInnen oder Baugemeinschaften verkauft, die Hälfte zum Festpreis, um auch Familien mit Kindern und besondere Wohnformen zu berücksichtigen.

Beim internationalen Ideenwettbewerb zur Fassadengestaltung wurde der Hamburger Architekt Helge Tischler mit dem 1. Preis ausgezeichnet. In der Fischstraße 21 errichtete er für eine Baugemeinschaft aus fünf Parteien dieses Stadthaus. Dabei galt es, unterschiedliche Charaktere unter einen Hut zu bringen und fünf maßgeschneiderte Wohnungen von 65 bis 145 m² sowie eine kleine Gewerbeeinheit für eine Kunstgalerie zu entwickeln.

Die straßenseitige Fassade aus braun-rötlich changierendem Verblendziegel vom Hersteller Petersen Tegl greift die Materialität Lübecker Stadthäuser auf. Ein markantes Gesims setzt die Erdgeschosszone vom Hauptfeld der Fassade ab, die durch differenzierte Staffelungen der vertikalen Fensterlaibungen eine besondere Plastizität erhält. Auch das obere Giebelfeld mit seinem kräftigen Abschluss erinnert selbstbewusst an die historische Gestaltung. Das Erdgeschoss knüpft mit 4 m Raumhöhe an den Typus des Lübecker Dielenhauses an und erhält analog zum historischen Vorbild eine Zwischenebene. Es dient heute als großzügiger Ort des Austausches und belebt den Straßenraum. Im 3. und 4. Obergeschoss liegt eine lichtdurchflutete Maisonettewohnung. Die hell verputzte, hofseitige Fassade nimmt Teile der straßenseitigen Gestaltung auf. Loggien und Dachterrassen entsprechen heutigen Wohnbedürfnissen. Die Gärten sind wie in den historischen Höfen mit „Glintmauern“ aus rotem Backstein voneinander getrennt.

www.helge-tischler.de

Fotos:

Daniel Sumesgutner
www.sumesgutner.de

(Erschienen in CUBE Hamburg 03|22)

Architekten:

Helge Tischler
www.helge-tischler.de
Kay Urban
www.kay-urban.de

Fenster und Innentüren:

Tischlerei Seltz
www.tischlereiseltz.de

Treppengeländer:

MetallArt
www.metallart-treppen.de

Heizung, Lüftung, Sanitär:

Lang Versorgungstechnik
www.lang-versorgungstechnik.de

Küche:

Stefan Schubert
www.schubert-kuechen.de

Einbaumöbel:

Tischlerei Maaß
www.tischlerei-maass.de

Elektroarbeiten:

Kraetke Elektrowerkstatt
www.elektrowerkstatt-lübeck.de

Fußböden Parkett:

Heinrich Schmid
www.heinrich-schmid.de

Fliesen und Betonwerkstein:

René Tieck
www.fliesen-tieck.de

Ziegelhersteller:

Petersen Tegl
www.petersen-tegl.dk

Dachschiebefenster:

Lideko
www.lideko.de

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