Drei Einheiten – ein Haus

Ein Haus auf dem Land präsentiert sich spannend, modern und historisch geprägt zugleich

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Landwirtschaftliche Höfe sind häufig charakteristisch für eine Region und spiegeln deren Historie wider. Vor diesem Hintergrund rückt der Kirchplatz eines kleinen Ortes in den Mittelpunkt. Zwar wurde die Kirche dort längst abgerissen, aber der Name ist geblieben. Ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus, welches die dort ansässigen Architekten Spiekermann behutsam restauriert haben, befindet sich in der Nachbarschaft. Die Aufmerksamkeit gilt jedoch einem Wohnhaus, das ebenfalls vom ortsansässigen Architekturbüro auf einen bestehenden Sockel neu errichtet wurde.

Oliver Spiekermann war es wichtig, die regionale Architektur, wie sie sich in den klassischen Höfen der Umgebung widerspiegelt, einzubinden. Daher orientierte sich der Architekt bei der Anordnung des neu entstandenen Gebäudes an deren typischen Merkmalen, wie beispielsweise verschieden hohen Ebenen, die die einzelnen Gebäudefunktionen klar unterscheiden. Drei abgrenzbare Gebäudeteile sind das modern interpretierte Ergebnis dieser Auseinandersetzung mit der Historie. Der erhaltene Sockel des ansonsten abgerissenen Hauses wartet mit für die Region typischem Klinker auf, darauf recken sich, farblich durch das Material klar abgegrenzt, Aufbauten mit Spitzgiebeldächern in den Himmel – ebenfalls eine typische hiesige Bauform. Ein Blick ins Innere offenbart großzügige Grundrisse. Im Sockel befindet sich mit drei Metern Deckenhöhe die Küche und der Essbereich, die dank bodentiefer Fenster lichtdurchflutet sind. Die weiteren Wohnbereiche reichen bis zu sieben Meter hinauf in den Dachgiebel. Ideale Voraussetzungen, die dazu einluden, Podeste und Zwischendecken einzuziehen. Der Clou: Die Baustruktur ist so angeordnet, dass die einzelnen Gebäudeteile auch eigenständig funktionieren. Ein kluger Schachzug, ändern sich im Laufe der Zeit doch immer wieder die Bedürfnisse der Bewohner an die Immobilie. So ungewöhnlich wie die Architektur sind auch die verwendeten Materialien. Nicht irgendein Klinker, sondern ein besonderer Ziegel von Wienerberger, der in Belgien hergestellt wird, kam zum Einsatz. Die Objektsortierung „Cassia rot“ wird in speziellen Öfen gebrannt, die kaum mehr zu finden sind. „Die knapp einen halben Meter langen und in der Breite als Doppelformat angelegten Ziegel haben eine Sollbruchstelle, an der jeder einzelne Ziegel an der Baustelle vor dem Einbau gebrochen wird“, erläutert der Architekt. Ein jeder ist daher ein Unikat und wurde so verlegt, dass ein zufälliges und unregelmäßiges Muster entsteht. Einen Kontrast zum Rot bilden die grauen Paneele aus einem Mix aus Holz und Beton, mit denen das Obergeschoss und die Dachflächen ausgekleidet sind. Die Paneele eignen sich auch für innen und werden dort partiell, etwa im Treppenhaus, als Blickfang eingesetzt.

www.architekten-spiekermann.de

Fotos:

Frank Vinken
www.frankvinken.com

(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 04|21)

Architekten:

Architekten Spiekermann
www.architekten-spiekermann.de

Schreinerei:

A. Johannsmann
www.johannsmann-schreinerei.de

Innentüren:

Jeld-Wen
www.jeld-wen.de

Beschläge:

Karcher Design-Beschläge
www.karcher-design.de

Fenstereinbau:

Metallbau Blienert
www.blienert.de

Fenster- und Türsysteme, Briefkasten:

Schüco
www.schueco.com

Sonnenschutz:

Warema
www.warema.de

Klinker:

Wienerberger (Terca in Cassia rot)
www.wienerberger.de

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