Einen Ort wiederbelebt
Revitalisierung der alten Dampfschreinerei schafft Coworking-Spaces und neuen Treffpunkt im Quartier
Das Gelände der ehemaligen Dampfschreinerei führte mitten in der Karlsruher Südweststadt jahrelang ein Schattendasein. Umgeben von dichter Blockrandbebauung war das rund 120 Jahre alte Industrieareal zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Mit der Revitalisierung der historischen Gebäude bot sich die Chance, diesen verborgenen Ort als Coworking-Space neu zu aktivieren und in Kombination mit einer Gastronomie als Treffpunkt im Quartier zu etablieren.
Leitidee des Entwurfs von baurmann.dürr Architekten war es, den Bestand behutsam weiterzuentwickeln. Statt die Gebäude radikal umzubauen, wurden die neuen Nutzungen präzise an die vorhandenen Strukturen angepasst. Der industrielle Charakter der Anlage blieb bewusst erhalten, unterschiedliche Zeitschichten wurden freigelegt und sichtbar belassen. Die Architektur ordnet sich dem Bestand unter und entwickelt ihre Qualität aus einer zurückhaltenden Haltung gegenüber dem Vorgefundenen. Materialität und Konstruktion folgen diesem Ansatz konsequent. Historisches Ziegelmauerwerk und großformatige Verglasungen prägen weiterhin das Erscheinungsbild. Ergänzt werden sie durch punktuelle Eingriffe in Sichtbeton, Sichtestrich und Eichenholz. Auch die Anforderungen des Denkmalschutzes bestimmten den Entwurfsprozess maßgeblich: Dachausbau und Gauben wurden bewusst zurückhaltend gestaltet, Retuschen vermieden und die Spuren unterschiedlicher Bauphasen sichtbar gelassen.
Eine zentrale Herausforderung lag im engen Zeitrahmen der Umsetzung. Da viele Details erst nach dem Freilegen einzelner Schichten geplant werden konnten, war eine außergewöhnlich intensive Begleitung der Baustelle erforderlich. Die unmittelbare Nähe des planenden Büros zum Projekt ermöglichte dabei schnelle Entscheidungen und eine hohe Präsenz in der Bauleitung.
Für den Innenausbau entwickelten die einzelnen Nutzergruppen gemeinsam mit separat beauftragten Innenarchitekt:innen individuelle Raumlösungen, die innerhalb eines übergeordneten gestalterischen Rahmens umgesetzt wurden. So entstand ein lebendiger Ort, der die Geschichte des Areals weiterträgt und gleichzeitig neue Arbeits- und Kreativitätsformen ermöglicht. Gleichzeitig entstand durch das Projekt ein neuer öffentlicher Durchgang, der das zuvor hermetisch abgeschlossene Areal durchlässig macht und als Treffpunkt für Anwohnende sowie die zahlreichen Beschäftigten der umliegenden Institutionen – darunter Arbeitsamt, Bundesanwaltschaft und ZKM – funktioniert. Die neue Durchwegung stärkt nicht nur die Vernetzung im Quartier, sondern etabliert das Areal als sozialen Mittelpunkt der Nachbarschaft. So entstand ein lebendiger Ort, der einhundert Jahre Stadt- und Wirtschaftsgeschichte weiterträgt und gleichzeitig ganz neue Arbeits- und Kreativitätskonzepte ermöglicht.
Fotos:
Ludolf Dahmen
www.ludolfdahmen.de
(Erschienen in CUBE Stuttgart 02|26)
