Innovation im Bestand
Eine Villa in Dortmund aus den 1930er-Jahren wird zum repräsentativen Unternehmenssitz
Bestandsbauten gelten selten als Experimentierfeld für Innovationen im Bereich energetischer Haustechnik. Mit der „Villa Futurum“ am Dortmunder Westfalendamm sollte aber genau das gezeigt werden: Wie der Name es schon verrät, steht die Transformation der organisch geschwungenen Backsteinvilla von 1936 zum repräsentativen Unternehmenshauptsitz für die harmonische Symbiose aus originaler Bausub-stanz und innovativer, nachhaltiger Haustechnik. Bei der Umsetzung gab es zahlreiche spannende Herausforderungen, vor allem im Bereich der energetischen Sanierung und der technischen Ausstattung, zu meistern – aber auch beim Innenausbau, der von Raumkontor Innenarchitektur aus Düsseldorf konzipiert und geplant wurde.
Bauherr ist die Ingenieurgesellschaft Klaus Drücke, die zugleich selbst die technische Fachplanung übernahm. Ihr Ziel war klar: Die Villa, die 1936 nach Entwürfen von dem Architekten Emil Pohle (1885–1962) für einen Rechtsanwalt errichtet wurde, als auch der von Kasper-Kadatz Architekten jüngst hinzugefügte Erweiterungsbau sollten möglichst vollständig autark betrieben werden. Das wurde durch eine intelligente Kombination verschiedener regenerativer Energien erreicht: Solarenergie, Erdwärme und Wasserstoff, der mittels Elektrolyse erzeugt wird. Das Gestaltungskonzept für die Innenräume verbindet die neuesten technischen Innovationen mit behutsam restaurierten Originaldetails. Die Technik bleibt dabei geschickt verborgen, sodass der beeindruckende Eingangsbereich des ehemaligen Wohnhauses seinen Charme behält. Der alte Natursteinboden und die geschwungene Betontreppe wurden gereinigt und von Materialüberlagerungen aus vergangenen Jahrzehnten befreit – so präsentieren sie sich wieder in ihrem ursprünglichen Glanz. Im ersten Obergeschoss wurden Schlafzimmer, Boudoir und das ehemalige Bad in moderne Büros und gemütliche Aufenthaltsräume für die Mitarbeitenden verwandelt. Die früheren Ankleideschränke dienen nun als praktischer Stauraum für Akten, Mikrowelle und Geschirr. Farben, Fliesen und Formen sind eine liebevolle Hommage an die ursprünglichen Materialien des Hauses.
Das Dachgeschoss wurde neu gedämmt, die alten Balken und Stützen behutsam aufgearbeitet und durch einen lichtdurchlässigen Raumteiler aus Holz ergänzt, der nach seinem Lebenszyklus leicht in seine Einzelteile zerlegt und so wiederverwendet und in den Kreislauf zurückgeführt werden kann. So entsteht ein heller, offener Raum, der das historische Flair bewahrt. Auch der Neubau, der einige Gestaltungselemente des Bestands aufgreift, lässt ein stimmiges Gesamtbild aus Alt und Neu entstehen. Das Ergebnis ist eine lebendige Symbiose, die Vergangenheit und Zukunft auf harmonische Weise verbindet – ein echtes Highlight für nachhaltiges und respektvolles Bauen!
Fotos:
Hans Jürgen Landes
www.landesfoto.de
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 02|26)