Medizinischer Meilenstein
Hochmoderner Forschungsbau beherbergt neues translationales Zentrum der Charité
2023 wurde das neue Translationale Zentrum der Charité fertiggestellt. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Zentrum, das Forschungsergebnisse aus Labor-, Tier- und Modellstudien in klinische Anwendungen überführt. Es trägt den Namen Rahel Hirsch Centrum (RHC). Die jüdische Ärztin Rahel Hirsch wurde 1913 als erste Frau in Deutschland zur Professorin der Medizin ernannt. Sie war viele Jahre an der Charité tätig, bis sie 1938 ihre Approbation verlor und nach England emigrierte. Das RHC befindet sich im ehemaligen OP- und ITS-Trakt unmittelbar neben dem weithin sichtbaren Bettenzentrum, dem Charité-Hochhaus. Dieses Bestandsgebäude wurde parallel zur Sanierung des Bettenhauses vollständig entkernt und für seine neue Nutzung grundlegend umgebaut. Leitbild des Entwurfs ist, translationale Forschung erlebbar und die enge Zusammenarbeit des BIH (Berlin Institute of Health) und der Charité sichtbar zu machen. Flächen der Klinik und der Forschung werden zueinander gebracht und Prozesse über verbindend angelegte Kommunikationsflächen wechselseitig transparent gemacht. Dafür wurde das vormals fünfgeschossige Bestandsgebäude aus den 1970er-Jahren bis auf den Rohbau zurückgebaut, seine tiefen Grundrisse durch einen Innenhof, ein Atrium und eine zweigeschossige Eingangshalle geöffnet und schließlich ein Staffelgeschoss ergänzt. Die Planer und ausführenden Architekten dieser komplexen Aufgabe waren das Architekturbüro heinlewischer am Standort Berlin. Entlang der Luisenstraße erstreckt sich das Gebäude als durchgehender Baukörper vom Robert-Koch-Platz bis zum Bettenhaus. Die straßenseitige Ansicht im Westen suggeriert durch die unterschiedliche Fassadengestaltung, dass es sich um ein zweigeteiltes Gebäude handelt: links die weiße Lochfassade des RHC, darauf folgend der in Brauntönen gehaltene, etwas niedrigere Eingangsbereich und abschließend das ebenfalls weiß gefasste Bettenhochhaus.
Die Eingangshalle präsentiert sich als zweigeschossiges Atrium, das durch eine Lichtskulptur der Künstlerin Ulrike Brandi optisch aufgewertet wird. Es ist das eigentliche Herzstück des Gebäudes, das sämtliche Gebäudeebenen erschließt, die Verbindung zum Hochhaus herstellt und mit seinem Glasdach den Blick auf das Bettenhaus eröffnet. Foyer und Innenhof fungieren zudem als Kommunikations- und Repräsentationsraum. Landschaftsarchitekt Rainer Schmidt gestaltete einen Vorplatz, zu dem lange Treppenstufen und eine Rampe entlang der gesamten Breite des Eingangsbereiches gehören. Das in nördlicher Richtung anschließende eigentliche RHC verfügt über sechs Vollgeschosse und das erwähnte siebte Staffelgeschoss. Alle Funktionsbereiche sind klar zoniert, um Klinik und Forschung räumlich zu verbinden – aber funktional zu trennen. Im Westflügel zur Luisenstraße hin liegen Ambulanzen, Therapie und Diagnostik. Im Ostflügel zum Innenhof hin befinden sich Laborbereiche, OP-Säle und Technologieplattformen. Büros, Verwaltung, sowie die Studienkoordination und Kommunikationszonen wurden im nördlichen Gebäudeteil sowie im Staffelgeschoss untergebracht. Mit dem RHC verfügt die Charité über einen hochmodernen Forschungsbau, der als innovativer Bereich den Fortschritt der Medizin nachhaltig stärkt.
Fotos:
Brigida González
www.brigidagonzalez.de
(Erschienen in CUBE Berlin 02|26)