Selbstbewusst & respektvoll
Gästehaus eines Weinguts ist lokal verwurzelt und klar gegenwärtig
In ein sensibles Gefüge aus abfallendem Gelände und Nachbarhäusern, die mit Giebeln und Traufen den Straßenraum prägen, setzte das Architekturbüro Heinrich + Steinhardt einen kompakten Baukörper, der selbstbewusst und doch respektvoll auftritt. So zeigt dort das neue Gästehaus eines traditionsreichen Weinguts, wie zeitgenössische Architektur im ländlichen Raum hohe gestalterische und ökologische Qualität erreichen kann.
Die Bauherrschaft wünschte sich eine flächensparende Lösung für das Haus mit vier Wohneinheiten und zugehörigen Stellplätzen sowie einen architektonischen Beitrag, der lokal verwurzelt und klar gegenwärtig ist. Darauf antworteten die Architekten mit einem monolithisch wirkenden Baukörper, dessen Proportionen sich an der umgebenden Bebauung orientieren – vom steinernen Sockel bis zum geneigten Dach. Die First- und Traufhöhen der Nachbarschaft, die grenzständigen Mauern und das 13,5-prozentige Gefälle des Grundstücks bestimmten die Rahmenbedingungen. Das Architekturbüro nutzte sie als Entwurfsgrundlage, integrierte die Stellplätze im Untergeschoss und verankerte das Haus präzise im Terrain. Nach außen vermittelt ein massiver Sockel aus Naturstein Beständigkeit und regionalen Bezug. Darüber erhebt sich ein in Holzrahmenbauweise gefertigter Kern, gedämmt mit Zellulose – nachwachsend, energieeffizient, ressourcenschonend. Vertikal angeordnete, grau lasierte Holzelemente fassen die Fassade zu einem ruhigen Ganzen. Filigrane Balkone öffnen den Blick in die Rebzeilen und bis zum Rhein.
Das Dach wird zum ökologischen Statement: Auf der Südseite erzeugt eine integrierte Photovoltaikanlage Strom, auf der Nordseite reguliert ein extensiv begrüntes Naturdach das Mikroklima und bindet das Gebäude sanft in die Umgebung ein. Die metallische Stehfalzdeckung zitiert traditionelle Wirtschaftsgebäude und interpretiert sie neu. Ein hoher Vorfertigungsgrad verkürzte die Bauzeit, reduzierte Emissionen und steigerte die Präzision. Ganz im Sinne des Bauherrn, der hierzu anmerkt: „Im Weinbau ist uns die Nachhaltigkeit ganz besonders wichtig. Und deshalb war es für uns auch selbstverständlich, den Aspekt ‚Nachhaltigkeit‘ auch im Bauvorhaben mit einzubeziehen.“
Im Inneren profitieren Urlauber:innen sowie Saisonbeschäftigte von klar geschnittenen Grundrissen und einer warmen, haptischen Materialität. Holzoberflächen, gezielt gesetzte Öffnungen und durchdachte Belichtung schaffen helle, freundliche Räume auf kompaktem Grundriss.
Fotos:
Heinrich + Steinhardt Architekten
(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)