Gemeinsam Zukunft gestalten

Über Innovationsparks als neue Entwicklungsräume und ihre Rolle in der Stadt

CUBE: Herr Strittmatter, Sie sind Geschäftsführer von Hamburg Invest, die als One Stop Agency Unternehmen unterstützt, die sich in Hamburg ansiedeln, neu gründen oder investieren möchten. Könnten Sie bitte erklären, wer dahintersteht und wie dieser umfassende und individuelle Service finanziert wird?
Rolf Strittmatter: Hamburg Invest ist die Wirtschaftsförderung der Freien und Hansestadt Hamburg. Wir begleiten Unternehmen entlang ihres gesamten Ansiedlungs- und Investitionsprozesses – von der Standortentscheidung bis zur Umsetzung – und arbeiten dabei eng mit Verwaltung, Kammern und weiteren Partnern zusammen.

Finanziert wird dieser Service durch die Stadt und ihre institutionellen Gesellschafter, weil erfolgreiche Unternehmensansiedlungen Arbeitsplätze schaffen, Wertschöpfung sichern und Hamburgs wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken.

In der strategischen Planung für die gesamtstädtische Entwicklung legt Hamburg einen Schwerpunkt auf Forschung und Innovation. In Altona, Finkenwerder, Harburg und Bergedorf gibt es „Innovationsparks“. Ist das nur ein schickes neues Wort für ein Gewerbegebiet oder was macht einen Innovationspark aus?
Ein Innovationspark ist kein neues Etikett für ein Gewerbegebiet. Der entscheidende Unterschied liegt im inhaltlichen Fokus und im Umfeld: Innovationsparks entstehen gezielt in räumlicher Nähe zu Hochschulen, Forschungseinrichtungen und sogenannten Ankerinstitutionen. Dort bündeln wir Kompetenzen, Flächen und Netzwerke für Unternehmen mit klar definierten Zukunftsthemen wie Life Sciences oder Quantentechnologie in Altona als Teil der ScienceCity Hamburg Bahrenfeld. Unternehmen arbeiten hier in direkter Nachbarschaft zu international renommierten Einrichtungen wie DESY und European XFEL sowie der Universität Hamburg.

Ein anderes Beispiel ist der Innovationspark Bergedorf als Standort für das Zukunftsthema Neue Energien. Mit Einrichtungen wie dem Energie-Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), dem Fraunhofer-Institut für Additive Produktionstechnologien IAPT und dem entstehenden Körber Technologies Campus machen wir den Standort zum Place-to-be für Unternehmen. Das Investitionsvolumen liegt von städtischer und privater Seite allein für diesen Park in Bergedorf im dreistelligen Millionenbereich.

Finkenwerder ist bereits ausgebaut und steht ganz im Zeichen der Luftfahrt. In Harburg geht es bewusst um ein Innovationsquartier und keinen Park: Rund um die TU Hamburg entsteht die Tech City Hamburg, ein urbaner Raum für Unternehmen aus den Schwerpunktbranchen Green Technologies, Luftfahrt, maritime Anwendungen, Medizintechnik und Digitalisierung – mit einer Mischung aus Bestand und neuen Entwicklungsflächen. Unser Ziel ist es, Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen passgenaue Flächen in den verschiedenen Innovationsparks anzubieten.

Wie wird gewährleistet, dass solche Ansiedlungen sich in die Stadtentwicklung einfügen, speziell in einer wachsenden Stadt mit begrenztem Flächenangebot und einem angespannten Wohnungsmarkt?
Hamburg Invest betreibt Wirtschaftsförderung – wir tun alles dafür, Investitionen nach Hamburg zu holen und Unternehmen hier dauerhaft zu verankern. Kurz gesagt: Wir denken Flächen heute so, dass Hamburg auch morgen wettbewerbsfähig bleibt. Denn Gewerbe- und Arbeitsflächen sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass eine Stadt langfristig funktioniert. Arbeitsplätze schaffen Einkommen sowie Steuereinnahmen und sind damit die finanzielle Grundlage für Infrastruktur, soziale Angebote und Wohnungsbau.

Hamburg folgt dabei einer integrierten Innovationsstrategie, bei der Wirtschaftsflächen nicht isoliert, sondern im gesamtstädtischen Zusammenhang betrachtet werden. So sollen Orte zum Arbeiten, Forschen, Wohnen und für den Alltag sollen möglichst nah beieinander liegen. Ein gutes Beispiel ist die Science City Hamburg Bahrenfeld. Hier werden Forschung, innovative Unternehmen, Wohnungsbau und urbane Angebote bewusst zusammengeführt. So entstehen Quartiere mit kurzen Wegen, hoher Aufenthaltsqualität und einer starken wirtschaftlichen Basis – und genau darin liegt die Zukunft einer wachsenden Metropole wie Hamburg.

Wäre ein solcher Innovationspark auch mit Bestandsgebäuden denkbar?
Ja, grundsätzlich ist das möglich. Ob eine Umnutzung sinnvoll ist, hängt jedoch stark von den Anforderungen der Unternehmen ab. Gerade Forschungs-, Labor- oder Produktionsnutzungen haben sehr spezifische technische Anforderungen. Deshalb ist immer eine sorgfältige Einzelfallprüfung notwendig: Manchmal ist eine Umnutzung möglich, manchmal ist ein Neubau wirtschaftlich und funktional die bessere Lösung.

Wie ist die Gestaltung geregelt, gibt es Vorgaben für Klimaanpassung, finden Wettbewerbe für die Architektur der Gebäude und die Freiräume der Areale statt?
Klimaanpassung und Umweltbelange sind integraler Bestandteil aller Planungen. Themen wie Hitzeentwicklung, Starkregen, Biodiversität, Lärm oder Freiraumqualität werden frühzeitig über Gutachten und Fachplanungen berücksichtigt und fließen bereits in die Funktionsplanung ein. Die Art der Wettbewerbe unterscheidet sich je nach Standort: In Altona haben wir beispielhaft ein transparentes städtebauliches Werkstattverfahren mit intensiver Bürgerbeteiligung gewählt. Die Abstimmung der Gestaltung erfolgt in Kooperation mit den jeweiligen Bezirksämtern, wobei wir in den Innovationsparks als Orientierung mit Gestaltungsleitfäden arbeiten, um eine dem Innovationspark entsprechende gestalterische Qualität sicherzustellen.

Warum entscheiden sich Unternehmen Ihrer Erfahrung nach – neben den wirtschaftlichen Gründen – für Hamburg?
Ich will nicht das Stereotyp Hamburgs als der schönsten Stadt der Welt bemühen. Aber als gebürtiger Badenser darf ich sagen: Hamburg verbindet wirtschaftliche Stärke mit sehr hoher Lebensqualität. Die Stadt bietet internationale Anbindung, eine exzellente Wissenschafts- und Forschungslandschaft, qualifizierte Fachkräfte und verlässliche Rahmenbedingungen. Hinzu kommt eine offene, kooperative Haltung gegenüber Unternehmen. Viele entscheiden sich für Hamburg, weil sie hier nicht nur einen lebenswerten Standort vorfinden, sondern ein Umfeld, in dem Innovation langfristig wachsen kann.

Herr Strittmatter, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Bettina Schön.

Dr. Rolf Strittmatter

Mit Kreativität, strategischem Denken und Mut zur Veränderung lenkt Dr. Rolf Strittmatter seit 2015 die Geschäfte der Hamburg Invest und der Hamburg Marketing GmbH. Der diplomierte Volkswirt und promovierte Wirtschaftsgeograph verfügt über umfassende Erfahrung als Wirtschaftsförderer auf kommunaler und regionaler Ebene sowie in der Industrie.

Mit dem Aufbau von Innovationsparks und der aktiven Entwicklung strategischer Wirtschaftsflächen treibt er die Umsetzung der Innovationsstrategie der Stadt voran: Es entstehen vernetzte Zukunftsorte für Forschung, Technologie und Unternehmertum, die Hamburgs internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig festigen. Damit schärft sich das Profil der Hansestadt und stärkt ihre Wirtschaftskraft und Lebensqualität.

(Erschienen in CUBE Hamburg 01|26)

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