Organisch & zukunftsfähig
Ein klimarobuster und pflegleichter Garten dient auch als sozialer Raum im Grünen
Was einst im Zuge des Hausbaus angelegt worden war, hatte über Jahre an Funktion verloren. Wege führten ins Leere, Rasenflächen forderten Pflege, ohne Aufenthaltsqualität zu bieten. Die Bauherren suchten nach einem Landschaftsprofi für ein zukunftsfähiges Konzept – klimarobust, pflegeleicht, räumlich klar und ganzjährig attraktiv. Die Wahl fiel auf das Büro Sandra Bloching. Und die Bauherrin freut sich bis heute: „Mir gefällt besonders gut, dass der Garten so einen starken Charakter hat, dass er trotz Wechsel der Jahreszeiten und des unterschiedlichen Wachstumsrhythmus der Pflanzen seine Ästhetik und Ausstrahlung durchgehend beibehält.“
Die Leitidee war schnell formuliert: ein Garten der Wege, der den angrenzenden Wald nicht ausblendet, sondern als atmosphärische Kulisse einbindet. Die Landschaftsarchitekten lösten hierfür die starre Mittelachse auf und entwickelten stattdessen geschwungene Linien, die neue Perspektiven in die Nordwest- und Südwestecken lenken. Wer das Grundstück betritt, wandelt nun auf organisch geführten Pfaden, erlebt wechselnde Sichtachsen und entdeckt unterschiedliche Aufenthaltsorte – sonnig, schattig, offen oder geborgen. Im Zentrum liegt ein Freisitz, zugleich Bühne und Treffpunkt, entworfen vom Sohn der Bauherren, einem bildenden Künstler. Die Skulptur verankert den Garten als sozialen Raum. Von hier schweift der Blick in Staudenflächen, die sich wie selbstverständlich an den Waldrand schmiegen. Der Rasen wich vollständig einer Matrixpflanzung aus Gräsern und Stauden. Sie verbindet die unterschiedlichen Zonen – vom trockenen Sonnenbereich bis zu schattigen Partien mit starkem Wurzeldruck.
Die Herausforderungen waren vielschichtig: hoher Wasserbedarf der Bestandsbäume, Laubfall und tierische Besucher aus dem Wald. Die Landschaftsplaner reagierten mit robusten, trockenheitsverträglichen Arten. Ein Bewässerungssystem wurde bewusst nicht installiert, denn die Pflanzung übersteht heiße Sommer weitgehend ohne zusätzliche Wasserzufuhr und spart damit eine kostbare Ressource. Vorhandene Gehölze und Materialien wurden integriert, die Hainbuchenhecke ergänzt, ein Sichtschutz aus Holz präzise dort gesetzt, wo eine Neupflanzung scheiterte. Auch das Licht folgt einem klaren Ethos: warmtonig unter 3.000 Kelvin, akzentuierend statt ausleuchtend, im Sommer zurückhaltend und im Winter frühzeitig ausgeschaltet – zugunsten der Tierwelt.
Fotos:
Sandra Bloching
(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)