Siedlungstypisches Ensemble

Neuer Wohnraum und neues Stiftungs-Verwaltungsgebäude auf der Margarethenhöhe in Essen

Man muss die Geschichte eines Ortes erfassen, sein Wesen erspüren und verstehen, um einen stimmigen architektonischen Entwurf zu entwickeln. Dies ist zusammengefasst der Ansatz, dem das Büro Wörner Traxler Richter und Mijaa Raummanufaktur Architekten im Realisierungswettbewerb zur Erweiterung der historischen Siedlung Margarethenhöhe in Essen im Jahr 2018 folgten. Den Wettbewerb hatte die Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge ausgeschrieben; Ziel war die Errichtung eines Ensembles aus drei Wohnhäusern und einem Verwaltungsgebäude auf einem Grundstück am Übergang von denkmalgeschützter Siedlung zum Wald. Die Planenden aus Frankfurt und Essen setzten sich letztlich mit breiter Zustimmung durch

Auch wenn der Denkmalschutz bei diesem Projekt in der welterbewürdigen Gartenstadt nicht involviert war, so spielte die Historie dennoch eine tragende Rolle bei der Entwurfsplanung. Die Neubauten übernehmen die Rhythmik der durchgrünten Siedlung und setzen deren Zeilenstruktur sowie die prägende Dachlandschaft zeitgemäß fort. Bewusst wurde auf eine Bebauung in zweiter Reihe verzichtet, gehören die parzellierten Gärten im hinteren Teil der Grundstücke doch zur DNA der Siedlung. Vielmehr wurden die Baukörper gestaffelt zum Wald in den Grünraum verschoben, was zudem eine natürliche Durchlüftung fördert. Um die Kommunikation unter den Bewohner:innen zu fördern, wurden die Gärten nicht wie früher üblich parzelliert, sondern offen gestaltet. Die barrierefreien Wohnhäuser bieten 42 Einheiten mit differenzierten Wohnungstypen sowie großzügig zum Wald hin orientierten Freiflächen und Balkonen in den oberen Geschossen. Die Wohnbauten orientieren sich traufständig zu Straße, wobei die Putzflächen von der Struktur und Farbgebung ebenso an die Materialität der Nachbarschaft anknüpfen wie markierte Sockel und präzise gesetzte Fensterfaschen. „Es handelt sich um einen denkmalwürdigen Bereich, bei dem eine behutsame Umgangsweise angemessen ist. Daher gingen lange Bemusterungsprozesse voraus und wir achteten auf eine nachhaltige Bauweise, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt“, erläutert Architekt Jan Kucera. So tragen die kompakte Bauweise, die effiziente Erschließung und Nutzung des Geländes sowie die monolithischen Dämmsteinkonstruktionen ohne wartungsintensive Zusatzdämmung zur Wirtschaftlichkeit bei. Die Wohnhäuser erreichen EH55-A+-Standard; 44 Erdwärmesonden unter der Tiefgarage versorgen Wohnungen und Verwaltung regenerativ. Innen wurden terrazzoartige Werksteine sowie langlebiges Eichenvollholz-Parkett verbaut. Das Verwaltungsgebäude markiert die Kreuzung im Süden und bildet gemeinsam mit dem vorgelagerten Platz den Auftakt des Quartiers und einen neuen nachbarschaftlichen Treffpunkt. Die Wettbewerbsjury würdigte insbesondere dessen zurückhaltende Architektursprache: Durch den gedrehten First sowie die dadurch erzielte Ecküberhöhung stellt das Gebäude ein Entrée zur Wohnbebauung dar. Innen stehen Sichtbetondecken für Modernität; als Bodenbeläge kamen Kautschukböden, terrazzoartige Werksteinfliesen und Teppiche in den Büros zum Einsatz. Inneren Blickbezügen kommt eine besondere Bedeutung zu. Große Fenster in den teilweise doppelstöckig angelegten Bereichen sorgen für Transparenz. Unter dem gesamten Areal befinden sich eine Tiefgarage mit 91 Stellplätzen und ein großer Fahrradraum nebst kleiner Fahrradwerkstatt für die Mitarbeitenden der Stiftung. Das Regenwasser wird über offene Rinnen geführt, was das Mikroklima kühlt und Dach- sowie Geländebegrünungen bewässert. Die Frankfurter und Essener Architektengemeinschaft, die erstmals mit der Margarethe Krupp-Stiftung zusammenarbeitete, zeigte sich begeistert von der langfristigen und zukunftsgerichteten Denkweise ihres Auftraggebers. So ist ein „leiser Leuchtturm“ entstanden, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Einklang bringt.

www.mjrm.de
www.wtr-architekten.de
www.margarethe-krupp-stiftung.de

Fotos:
Gregor Theune
www.gregortheune.de
Frank Blümler
www.frankbluemler.de

(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 01|26)

Nothing found.

Lebendiges Quartier

Eine Siedlung in Mülheim erhält eine neue städtebauliche, soziale und ökologische Qualität

Warme Atmosphäre

Praxisphilosophie: Patient:innen wie Gäste empfangen

Klein Gebaut – groß gedacht

Das „Schwarze Haus im Grünen“ als Modell für modernes Bauen

Nothing found.

Selbstverständliche Eleganz

Der neu gestaltete Garten eines Wohnhauses aus den 1950er-Jahren ergibt ein stimmiges Bild

1185_JL_0438_edit3_15_700pixel

Zeitgenössischer Nutzungsmix

Das Basecamp steht für die Transformation der Dortmunder Innenstadt

birdykreativ_01_15_700pixel

Aus Liebe zum Ruhrpott

Birthe Deilmann fertigt Accessoires mit direktem Heimatbezug

MP-02-016_HiRes30cm_15_700pixel

Künstlersuiten

Land Hotel im Essener Süden widmet seinem berühmten Künstlervorfahren drei Räume

Herkulesaufgabe geglückt

Umfangreiche Sanierung und Schaffung neuen Wohnraums in einem denkmalgeschützten Haus

Cranachho-fe_ZentraleLageinEssenHolsterhausen_Fotograf-Jochen-Tack_b_19_700pixel

Neue Quartiersmitte

In dem von Nattler Architekten entworfenen Gebäude befinden sich 42 öffentlich geförderte Wohnungen mit eineinhalb bis dreieinhalb Räumen, 29…

AHU-2020-12-21-1215-54_20_700pixel

Fit in jeder Hinsicht

Großzügige Therapie- und Trainingsmöglichkeiten in der Luxemburger Galerie in Kevelaer

Fido-Spro-de_1_Strassenansicht_15_700pixel

Weniger, aber besser

Die besonders nachhaltige Sanierung eines Einfamilienhauses beeindruckt überregional