Haus im Haus zum Selberbauen

In einer Industriehalle versteckt sich ein „House in Progress“

CoNow_Fotos_a_CoNow_WtWMG_Zara_Pfeifer_05_15_700pixel

Eine weiße Werkhalle aus vorgefertigten Industriebaustoffen steht auf einem Grundstück in Schmergow, westlich von Berlin. Dort hat es eine Familie hin verschlagen, da in der Hauptstadt keine Wohnung für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen mehr zu finden ist. Mithilfe des Architekturbüros c/o now aus Berlin waren sie mutig genug, quasi auf der grünen Wiese eine vorfabrizierte Halle in Holzbauweise, verkleidet mit weißem Trapezblechen, aufzustellen, die es in sich hat. Der Tradition der französischen Architekten Lacaton & Vassal oder Jourda & Perraudin folgend, die bereits in den 1980er- und 90er-Jahren mit ihren sozialen Ideen, z. B. industriell gefertigte Gewächshäuser als Ausbauhäuser zu verwenden, Aufsehen erregten, wagt es hier eine Kleinfamilie zusammen mit einem jungen Architekturbüro, ein Zuhause als „work in progress“ in der Werkhalle zu bauen. Ein 90 m² großes Kernhaus aus monolithisch gemauerten Wänden im Erdgeschoss sowie einer Holzständerkonstruktion im Obergeschoss ist der Anfang des Eigenheims, das peu à peu weiterwachsen kann. Ob die Hülle dann fällt oder bleibt, sei zunächst dahingestellt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Die Auftraggeber:innen sind nicht finanziell überlastet mit einem kompletten Neubau, sondern können gewissermaßen in Modulbauweise Anbau für Anbau hinzufügen.
 
„Where the Wild Morels Grow“ ist der Name des von c/o now projektierten Wohnhauses. Zum Garten hin ist es mit zwei Schiebetoren großzügig öffenbar – als witterungsfeste, nicht temperierte Klimahülle für ein beheizbares Kernhaus. Ausgehend von dessen 90 m² Wohnfläche auf zwei Ebenen, zu denen noch insgesamt 65 m² „Loggia“ und Terrasse sowie 60 m² Indoor-Garten kommen, kann das Haus bei einer überbauten Fläche von 200 m² (teilversiegelt) bis maximal 400 m² Wohnfläche in Eigenleistung ausgebaut werden. Während man sich in den kälteren Monaten auf das Kernhaus zurückzieht, erweitert sich das Haus in der restlichen Zeit in die teilweise bepflanzte Klimahülle: Der Esstisch steht in der Halle, die Kinder spielen, obwohl es regnet, doch an der frischen Luft.

Durch das Angebot einfacher Weiterentwicklungs- und Rückbaumöglichkeiten versucht c/o now, die im ländlichen Raum überproportional verbreitete typologische Beschränkung auf das typische Einfamilienhaus zugunsten anderer Wohnformen zu durchbrechen. Diese beeindruckende Idee wurde vor Kurzem für die Shortlist DAM Preis 2023 nominiert.

www.co-now.eu

Fotos:

Zara Pfeifer
www.zarapfeifer.com

(Erschienen in CUBE Berlin 04|22)

Nothing found.

Licht, Luft und Sonne

Nachverdichtung in der Höhe – eine Dachaufstockung schafft neuen Wohnraum

Dreifacher Lückenschluss

Blockrandschließung, Ausdehnung des Dachgeschosses und ein zusätzliches Rückgebäude

Wohnen unter schrägen Dächern

Platzgewinn durch ausgeklügelte Dachflächenoptimierung

Mit Pfau und Glamour

Harmonisch-farbenfrohes Designkonzept für ein Café fördert die Kommunikation

Nothing found.

01-Architektur_Ansicht-Museumsplatz-C-Sebastian-Wells_15_700pixel

Lebensader Erdgeschoss

Das Metropolenhaus am Jüdischen Museum mit Kulturplattform feldfünf

Kissen-Terracotta-natr-scherenschnitt_15_700pixel

Besondere Erinnerungsstücke

Cornelia Bohnen entwirft Wohntextilien und Schmuck aus Scherenschnitten

Schwarzer Ziegel am Gasometer

Ein sowohl typologisch als auch formal untypisches Wohngebäude

_VB_7109_10_700pixelHD0R29JFvv93l

Link im Prenzelkiez

Ein schmales Wohnhaus fungiert als Verbindung zwischen zwei städtebaulichen Visionen

GRAFT-Thomas-Willemeit_1_hires_15_700pixel

Mobilität ändert sich radikal

„Wir haben eine sehr vorsichtige Attitüde zu neuen Technologien“, sagt Thomas Willemeit

GPS-C-Ebener-2454-1_15_700pixel

Farbenfrohe „Bärenschule“

Erweiterungsbau der Grundschule in Friedrichshain

gaerten_der_welt_-_chinesischer_garten_09_-_2013_c_gruen_berlin_15_700pixel

Weltreise an einem Tag

Die „Gärten der Welt“ sind ein Erlebnis – auch sechs Jahre nach der IGA