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Pflege der Baukultur

Fragen an den Bund Schweizer Architekten BSA und seinen Vizepräsidenten

CUBE: Herr Sonderegger, Sie sind Vizepräsident des Bunds Schweizer Architekten. Was ist die... mehr

CUBE: Herr Sonderegger, Sie sind Vizepräsident des Bunds Schweizer Architekten. Was ist die Mission des BSA für 2017?
Andreas Sonderegger: Die Pflege der Baukultur ist das Hauptanliegen des BSA. Für den international beachteten Status der Schweizer Architektur sind landesübliche Tugenden wie technische Präzision oder Affinität zum beruflichen Handwerk wichtig.

Doch vor allem der Wettbewerbskultur kommt im internationalen Vergleich eine kaum zu überschätzende Bedeutung zu. Der Architekturwettbewerb ist ein Kulturgut, dem wir Sorge tragen müssen und das verdient, zu einem Exportschlager zu werden.

In der Öffentlichkeit sind Schlagworte wie Wachstum, Verdichtung, Städteplanung, Siedlungsqualität in aller Munde. Welchen Beitrag können hierzu die Architekten leisten?
Urbanismus und Urbanität sind zwar heute auch für die Architektenbranche wieder en vogue. Für ein Agieren in grösseren Zusammenhängen muss die Architektur ihre Rolle aber offenbar erst wieder finden. Dazu ist ein analytisches, Gestalt und Zusammenhang suchendes Denken im grossen Massstab notwendig: als ein Disziplinen übergreifend im Diskurs geführter Prozess, bei dem Architekten durchaus auch eine moderierende Rolle zukommen kann.

Architekten haben durchaus auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe – gibt es vom BSA hierzu eine Leitlinie?
Was bedeutet Baukultur? In der aktuellen Kulturbotschaft des Bundes ist die Architektur zwar erwähnt, doch was bedeutet das in der Praxis? Wir möchten die Vermittlung von Baukultur verbessern. Auch auf Stufe der Schulbildung verdient die Sensibilisierung für die Gestaltung der Umwelt bzw. eine entsprechende Aktivierung einen höheren Stellenwert: Kinder können lernen, ihre Umwelt als gestaltbar zu erfahren. Das ist ein Gegenprogramm zur weit verbreiteten Flucht in virtuelle Gegenwelten.

Was sind die grössten Herausforderungen für Architekten heute? Was hat sich in den letzten Jahren beim Bauen verändert, besonders in Zürich?
Die Regulationsdichte hat stark zugenommen, das Bauen wird immer komplexer. Selbst einfache Bauaufgaben sind heute nicht mehr ohne eine Vielzahl technisch spezialisierter Planer und Berater zu bewältigen.

Inwiefern engagiert sich der BSA politisch?
Der BSA agiert oft hinter den Kulissen, wo sich seine Mitglieder für zahlreichere, transparentere und bessere Architekturwettbewerbe einsetzen. Auch die Mitwirkung bei neuen Verordnungen und Gesetzen wird kaum öffentlich.

Wenn es um den Schutz von besonders wertvollen gefährdeten Baudenkmälern geht, kann der BSA aber auch mal laut werden. Das war beispielsweise beim Kampf für den Erhalt des Kongresshauses Zürich oder der Zentralbibliothek Luzern der Fall.

Woran erkennt man gute Architektur?
Qualität bewährt sich. Bei den Neuheiten fehlt oft der Abstand, um das Spektakel vom Guten zu unterscheiden. Die zeitliche Distanz verschafft einen besseren Überblick.

In Zürich fehlt günstiger Wohnraum. Muss gute Architektur teuer sein?
Das Schaffen von günstigem Wohnraum gleicht der Anlage eines Obstgartens: Die guten Wohnungen von heute sind die günstigen Wohnungen von morgen. Hier sind die Wohnbaugenossenschaften im Vorteil. Sie investieren langfristig und nicht profitorientiert, zudem besitzen sie oftmals bereits ihr Bauland und können den Landwert tief einsetzen.

Besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem BSA und dem SIA oder anderen Verbänden?
Die Kooperation der Berufsverbände gibt es naturgemäss, die Art der Zusammenarbeit ist regional verschieden. In Zürich koordiniert die Konferenz der Planerfachverbände die Gespräche mit den Behörden oder die Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen.


Herr Sonderegger, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Andreas Sonderegger Andreas Sonderegger ist seit 2016 Vizepräsident des Bunds Schweizer... mehr

Andreas Sonderegger

Andreas Sonderegger ist seit 2016 Vizepräsident des Bunds Schweizer Architekten BSA, der rund 900 Mitglieder vereinigt, welche beachtenswerte Leistungen auf dem Gebiet der Architektur, des Städtebaus und der Raumplanung erbracht haben. Der diplomierte Architekt ETH/BSA ist Mitbegründer und Partner von Pool Architekten und seit 2007 Mitglied der Architekturgruppe Krokodil. Neben seiner Tätigkeit als Architekt war er auch immer wieder in der Lehre tätig: als Dozent an der Hochschule Liechtenstein sowie an der ETH Zürich und 2016 als Gastprofessor an der TU-Wien.