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Mensch und Raum

Fragen an die Vereinigung Schweizer Innenarchitekten/-­innen VSI.ASAI. und ihren neuen Präsidenten

Die VSI.ASAI. feiert dieses Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Berufsverband... mehr
Die VSI.ASAI. feiert dieses Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Berufsverband 1942, um Innenarchitektur als eigenständigen Berufszweig zu etablieren. Es ging darum, Architektur nicht von aussen zu betrachten, sondern von innen heraus, aus Sicht des Nutzers.
CUBE: Remo Derungs, Sie sind im 75. Jahr des Bestehens der Vereinigung Schweizer Innenarchitekten/-innen zum neuen Präsidenten gewählt worden. Was ist Ihre Mission als neuer Präsident der VSI.ASAI?

Remo Derungs: Meine Aufmerksamkeit gilt einerseits der weiteren Stärkung der Berufsidentität und der damit verbundenen Verankerung unseres Berufsstandes und all seinen Facetten in der Gesellschaft. Ein weiteres Anliegen ist mir die Attraktivitätsförderung unserer Vereinigung bei unseren Mitgliedern, vor allem auch für Jungmitglieder. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Zukunft.

Der Beruf der Innenarchitekten hat sich seit der Gründung der VSI.ASAI. vor 75 Jahren stark verändert. Die frühen Pioniere wie Hans Eichenberger oder Robert Haussmann waren auch Möbeldesigner. Wie ist das Berufsbild heute, welche Disziplinen umfasst der Beruf des Innenarchitekten?

Unsere Aufgaben sind heutzutage komplexer und vielschichtiger denn je. Bauen im Allgemeinen ist komplexer geworden. Innenarchitekten sind bei Grossprojekten oft als Teil eines Fachplanerteams involviert und tätig. Die Disziplinen sind dementsprechend vielfältig. Innenarchitekten sind heute die Generalisten für die Fragen der architektonischen Raumgestaltung.

Und wo liegen, nach der grundsätzlichen Definition, die Unterschiede zwischen der Architektur und der Innenarchitektur?

Oftmals liegt der Unterschied im Massstab. Als Innenarchitekten setzen wir den Benutzer ins Zentrum unseres Wirkens. Wir gehen vom Menschen und seinen Bedürfnissen aus.

Architekten und Innenarchitekten teilen sich zum Teil das Feld der Innenarchitektur. Sanierungen und Umnutzungen bestehender Gebäude gewinnen für beide an Bedeutung. Sind Architekten und Innenarchitekten auch im Wettstreit? Wo sind die Überschneidungen, wo ergänzen sich die beiden Disziplinen?

Die Innenarchitektur kann teilweise durchaus als Fachbereich der Architektur betrachtet werden. Innenarchitektur deckt unter anderem die Spezialbereiche der Einrichtung, Lichtplanung, Szenographie und Markenarchitektur ab.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Innenarchitektur?

Wie in jeden Berufszweig ist die Digitalisierung ein Zeitzeugnis der Entwicklung und ermöglicht zum Teil ganz neue Arbeitsmethoden. Wichtig erscheint mir ein Gleichgewicht der unterschiedlichsten Medien zum Beispiel im Entwurfsprozess.

Welchen Herausforderungen müssen sich Innenarchitekten/-innen zukünftig stellen?

Auch in Zukunft geht es um den sorgfältigen Umgang mit dem Raum. Es gilt Ressourcen vernünftig einzuteilen und angenehme Lebensräume zu gestalten. Ziel ist es, dass sich Benutzer der Räume wohlfühlen, sei es bei der Arbeit, Zuhause oder in einem öffentlichen Innenraum.

Wie wird man Innenarchitekt? Wie sieht ein klassischer Werdegang aus?

In der Schweiz können Sie heute an vier Fachhochschulen Innenarchitektur studieren und den Bachelor in Innenarchitektur absolvieren (FH): in Genf, Lugano, Basel und Luzern. Ein Masterstudiengang ist in Planung. Berufsbegleitend gibt es in mehreren Gewerbeschulen Höhere Fachschulen für Innenarchitektur (HF).

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Innenarchitekt, eine Innenarchitektin mitbringen muss, um erfolgreich zu sein?

Leidenschaft! Freude an der Gestaltung von Räumen. Wissen und Bewusstsein über Wirkung und Auswirkung von Material, Licht und Raum.

Wie ist die Vernetzung Ihres Verbands? Arbeitet die VSI.ASAI. mit anderen Architekten-Berufsverbänden wie z. B. dem SIA oder BSA zusammen?

Die VSI ist dazumal in freundschaftlicher Kooperation mit dem SWB und dem BSA entstanden. 2007 erfolgte die Aufnahme der VSI als Fachverband in den SIA. Die Vernetzung mit Partnerverbänden war und ist für die VSI sehr wichtig und wertvoll. Weiter ist die VSI international vernetzt und anerkannt.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Berufsstandes?

Der Innenarchitektur gehört die Zukunft, da sie massgebend die Beziehung zwischen Mensch und Raum gestaltet und deren Qualitätsverbesserung zum Ziele hat.

Herr Derungs, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Remo Derungs

Der gebürtige Churer ist diplomierter Innenarchitekt, Gestalter und Szenograf und seit Juni 2017 Präsident der VSI.ASAI. Nach seiner Hochbauzeichnerlehre studierte Remo Derungs an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich Innenarchitektur- und Produktgestaltung, arbeitete danach bei Peter Zumthor in Haldenstein und anschliessend bei Alfredo Häberli in Zürich, bevor er sich selbständig machte. Seit 2000 führt er zusammen mit Carmen Gasser Derungs die Ateliers für Innenarchitektur und Szenografie in Chur und Zürich.

www.vsi-asai.ch