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Grenzenlose Kunst

Eine private Kunstsammlung wirkt sich auf die gesamte Nachbarschaft aus

Hat Kunst eine Wirkung? Und wenn ja, welche? Darüber kann ebenso viel diskutiert werden, wie... mehr

Hat Kunst eine Wirkung? Und wenn ja, welche? Darüber kann ebenso viel diskutiert werden, wie über ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, ihren Einfluss auf die Gesellschaft und das Stadtbild. Dass sich eine private Kunstsammlung auf den Außenraum auswirkt, diesen gar prägt, ist eher selten. Eine Ausnahme stellt das Kunstdepot auf dem Dach eines Hinterhofgebäudes mitten in Wien dar. Wenngleich er seinen Platz im begrenzten Rahmen privaten Wohnens hat, bezieht der von BEHF Architects geschaffene Raum die Umgebung mit ein, wird im wörtlichen Sinne zum leuchtenden Beispiel. Mehr noch überschreitet der eigentliche Kunstraum seine Grenzen, dehnt sich aus, fließt förmlich über die Dächer und Wände der umstehenden Gebäude.

Die Architektur wird zum Mittler zwischen Kunst und Natur. Sie spielt mit Material und Farbe, Licht und Reflexionen. Rosarote, leuchtende Flamingos stehen inmitten einer üppigen Pflanzenwelt auf dem auskragenden Dach, grüner Kunstrasen breitet sich aus dem Innenraum ins Freie aus. Polierte, leicht gewellte Edelstahlplatten an der Decke spiegeln einem Gewässer gleich die Umgebung wider und lassen Licht- sowie Farbreflexe entstehen. Gewohnte Raumkonturen lösen sich auf, die Grenzen von innen und außen, oben und unten verschwimmen. Den Kern des 30 Meter langen gläsernen Kubus bildet eine pinke Box, in der unter optimalen klimatischen Verhältnissen die Kunstsammlung aufbewahrt wird. Hinter der leuchtend pinken Schiebetür reihen sich dicht an dicht die ausziehbaren Gitter, an denen überwiegend Fotografien hängen. Einladend, erdend bieten sich Sitzmöbel zum Verweilen an, weisen Regale mit edler Holzmaserung Büchern ihren Platz zu. Die Natur scheint sich durch die stets präsenten Spiegelungen in den Raum zu drängen und der Blick schweift unwillkürlich zu den üppig bewachsenen Brandmauern. Wandgemälde schimmern durch Blattwerk, schieben die Kunst ins Bewusstsein, erinnern an die Fragilität von Kunst und Natur, an ihre Schutzwürdigkeit und ihre positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ganz konkret trägt die extensive Begrünung von Fassaden und Dach zu einer Verbesserung des Mikroklimas bei. Im Vergleich zur Umgebungstemperatur kühlt die Pflanzenwelt Hinterhof und Dachlandschaft um bis zu vier Grad ab. Gerade in einer innerstädtischen Lage an einem heißen Sommertag eine wahre Wohltat. Dann bleibt auch genügend Aufmerksamkeit, um sich den hier oben verborgenen Kunstschätzen zu widmen.

www.behf.at

Fotos:

Hertha Hurnaus
www.hurnaus.com

(Erschienen in CUBE Wien 03|21)