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Hoch hinaus

Ein moderner Turm am Neckarufer dockt an ein historisches Mühlengebäude an

Der unscheinbare Schuppen steht als Überbleibsel einer Mühle schon seit dem 16. Jahrhundert am... mehr

Der unscheinbare Schuppen steht als Überbleibsel einer Mühle schon seit dem 16. Jahrhundert am Ufer des Neckars. Seit einigen Monaten zieht er, inzwischen durch die Bebauung der Umgebung in zweite Reihe gerückt, vermehrt die Blicke auf sich. Das Staunen gilt jedoch weniger dem renovierungsbedürftigen Gebäude, als vielmehr dem modernen Turm, der, seitlich angedockt, 8,60 Meter in die Höhe ragt.

Die Stahl-Aluminium-Konstruktion des Turms macht neugierig: Sie verfügt über zum Wasser gerichtete raumhohe Fenster und ein modernes Design, das durch einen Mix unterschiedlicher Strukturen und Flächen gekennzeichnet ist. Was steckt hinter dem ungewöhnlichen Gebäudeensemble? Inhaber Toby Sichert hat eine Antwort: „Ich fand das Grundstück, an dem der Neckar eine Strömung wie an einem Mini-Wasserfall mitten in der Stadt hat, schon als Kind spannend und als sich die Gelegenheit ergab, es zu erwerben, habe ich zugegriffen, mit dem Ziel, den Schuppen aus seinem Dornröschenschlaf zu holen.“ Auch die fünf mal fünf Meter große Grundstücksfläche daneben sollte sinnvoll genutzt werden. Die Idee eines Turmes wuchs zunächst im Kopf des Inhabers heran. Er brachte die Pläne zu Papier und zufällig entstand ein Kontakt zu einem kroatischen Hersteller von Stahlkonstruktionen. Das brachte das visionäre Projekt des „DQTowers“ (DQ steht für Design und Qualität) ins Rollen. Tiny Houses liegen im Trend, warum also nicht einen „Tiny Tower“ bauen? Architekt Dominik Burkard, der ins Boot geholt wurde, überzeichnete die Pläne und machte sie fit für das deutsche Baurecht. Der Turm gehört noch in die Kategorie Gebäudeklasse eins der Landesbauordnung und erfüllt damit die Kriterien für ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren. Der Brandschutz sieht beispielsweise einen Fluchtweg vor. In diesem Fall führt der zweite Zugang zum Nebengebäude, das demnächst renoviert werden soll. Zum Turmeingang an der Wasserseite führt ein Steg mit kleiner Sitzecke. Innen zeigt sich der Turm mit seinem Grundriss von nur 4,20 mal 4 Metern erstaunlich geräumig. Verteilt auf drei Stockwerke, befinden sich in den oberen Etagen zwei zum Neckar ausgerichtete Zimmer mit Doppel- beziehungsweise Einzelbett sowie zwei Bäder mit Regendusche und Designelementen. Das leicht verspiegelte Panoramafenster im Penthouse-Schlafzimmer lässt ein besonderes Wohngefühl entstehen. Das Treppenhaus ist im Erdgeschoss in den Wohnraum integriert, so dass die moderne Stahltreppe zugleich wie ein Designobjekt wirkt. Hier befinden sich eine Couch, ein Essbereich mit integrierter Küchenzeile sowie eine Toilette. Der Turm wurde in Modulbauweise gefertigt und innerhalb von zwei Tagen, samt maßgeschneiderter Inneneinrichtung, auf einem Podest mit integriertem Wasser- und Stromanschluss errichtet. Er kann jederzeit wieder abgebaut und an anderer Stelle aufgebaut werden. Ein Pkw-Stellplatz und ein durch Bambus abgeschirmter Sitzbereich komplettieren das Ensemble aus Alt und Neu.

www.dqtower.de

Fotos:

Katja Wickert
www.www.katja-wickert.de

(Erschienen in CUBE Stuttgart 02|23)