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Immer auf der Höhe

Alte Margarethenhöhe: Wohnen im Idyll

Die Siedlung Margarethenhöhe war ein Geschenk: Am 1. Dezember 1906 errichtete Margarethe Krupp... mehr
Die Siedlung Margarethenhöhe war ein Geschenk: Am 1. Dezember 1906 errichtete Margarethe Krupp zur Vermählung ihrer Tochter Bertha eine Stiftung, die vor allem der Wohnungsfürsorge für die „minderbemittelten Klassen“ dienen sollte. Ein Geschenk ist die Siedlung bis heute: Für die Stadt Essen, zu deren Juwelen sie zählt und für alle, die in der „Dichtung aus Stein und Grün“ (Hans G. Kösters) wohnen.

„Laubenweg“, „Daheim“, „Stiller Winkel“: Wer in eines der Sträßchen auf der Margarethenhöhe einbiegt, spürt es sofort – dies hier ist eine ganz eigene Welt. Geradezu putzig reihen sich Haus an Haus, Vorgarten an Vorgarten. Die hübschen Fassaden sind mal verputzt, mal aus Ziegeln; Fensterläden und Türen präsentieren sich in einheitlichem Grün-Weiß, umrankt von wildem Wein. Der Bäcker, die Eisdiele, der Schneider, ein Supermarkt, Kindergärten, eine Schule, Ärzte, ein Hotel, ein Seniorenheim – alles in der Nähe. Genau das hatte sich Margarthe Krupp, die Witwe des Krupp-Erben Friedrich Alfred Krupp gewünscht: Ein Wohnumfeld, das entschädigt, für die mühevolle Arbeit des Tages. Auf mehr als eine Million Mark und 50 ha Bauland belief sich die Stiftungsurkunde mit der Margarethe Krupp ganz im Sinne der Kruppschen Tradition handelte: „Reichtum ist eine klare Verpflichtung den Menschen gegenüber, die einem anvertraut sind“.

Der hessische Architekt Georg Metzendorf (1874-1934) hat die Idee der Stifterin in Architektur verwandelt. Zwischen 1909 und 1938 schuf der damals noch recht unbekannte junge Baumeister die „Alte Margarethenhöhe“, die als sein Beitrag zum „Westdeutschen Impuls“ in die Bau- und Kunstgeschichte einging. Grundmodul war sein Konzept des Klein-Wohnhauses mit seinerzeit höchst innovativen Ausstattungsdetails. Metzendorf plante eine Siedlung aus einem Guss mit zahlreichen Versatzstücken nach dem Baukastenprinzip. Für Abwechslung sorgen mal spitze mal runde Giebel, Mauerbögen aus Bruchsteinen und genormte Haustüren mit individueller Ausprägung. Hinter Fenstern mit gleichen Maßen wurden die Wohnungen alle ähnlich aufgebaut, die Treppen stammten aus einer Serienproduktion. Ein zentral eingebauter Kachelofen mit Dauerbrand-Einsatz und Kochplatten wärmte das ganze Haus. Von einer Spülküche mit Badewanne führte eine Treppe direkt in den gepflegten Garten. Die Türen waren so angelegt, dass man in einem kreisförmigen Rundgang durch alle Zimmer wandern konnte. Per Regierungserlass war Metzendorf seinerzeit von allen Bauvorschriften befreit worden. Umso mehr Vorschriften findet, wer heute auf der Margarethenhöhe umbauen will, denn das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Die Margarethe Krupp Stiftung für Wohnungsfürsorge kümmert sich bis heute als eigenständiges Wohnungsunternehmen um die Vermietung, Betreuung und Modernisierung des vorhandenen Wohnungsbestandes. Im kleinen Atelierhaus in der Sommerburgstraße 18 kann man in einer Ausstellung zur Geschichte der Siedlung vieles über ihre Entstehung sowie das Leben und den Alltag ihrer Bewohner erfahren.