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Ganz neue Energien

Vom ehemaligen Schalthaus der Kokerei Zollverein zum Wirtschaftsstandort

Seit 1958 war das Schalthaus 2 auf Zollverein Schaltzentrale der Energie. Von hier aus wurde die... mehr
Seit 1958 war das Schalthaus 2 auf Zollverein Schaltzentrale der Energie. Von hier aus wurde die Energiezufuhr für die Kokerei gesteuert – bis diese 1993 stillgelegt wurde und mit ihr die Transformatoren des Schalthauses. Dennoch steckt das Gebäude seit 2009 wieder voller Energie: Das Unternehmen Kalle Krause hat es 2007 gekauft und aufwendig sanieren lassen. In den alten Mauern schafft das Live-Marketing-Unternehmen jetzt ganz neue Welten für seine Kunden.

Die Standortentwicklungsziele der Stiftung Zollverein sind klar: Das touristische Highlight soll als Symbol für den Strukturwandel mehr und mehr auch Wirtschaftsstandort mit Fokus auf Design und Kreativität werden. Die Entwicklung des Schalthauses 2 vom leerstehenden Industriegebäude hin zum florierenden Kreativunternehmen hat Beispielfunktion. Dabei war es nicht einfach, zum Immobilienbesitzer auf Zollverein zu werden: „Wir waren die Ersten und sind bisher die Einzigen, die auf Zollverein gekauft haben. Es war ein langer Weg, bis wir mit den Baumaßnahmen beginnen konnten. Eine Zustimmung der Bergaufsicht, gewerblich arbeiten zu dürfen, war notwendig. Zudem mussten Dekontaminierungen vorgenommen werden“, erklärt Bauherr Kalle Krause. Doch das Kerngebäude und der Standort faszinierten ihn und seine Geschäftspartnerin Insa Janßen so sehr, dass sie bereit waren, viel Zeit und Geld zu investieren. „Das Schalthaus ist architektonisch schön und es war seinerzeit für die Kokerei unverzichtbar und nützlich. Bezogen auf unsere Arbeit ist das ein perfektes Sinnbild.“

Mit dem im Denkmalbereich erfahrenen Architekten Burkhard Giese von SSG Architekten Giese wurde das Schalthaus behutsam umfunktioniert. Hinter neun großen Stahltoren befanden sich im Erdgeschoss früher Kammern für die Transformatoren. Heute sind die Tore tagsüber geöffnet, dahinter liegen helle Büro- und Werkstatträume. Hier hat die Produktion ihren Sitz: „Wir wollten den Rhythmus des Hauses beibehalten und haben die Räume entsprechenden Funktionen zugeteilt“, erklärt Kalle Krause. Besonders praktisch: Für die Transformatoren gab es im gesamten Gebäude Böden mit 60 cm tiefen Kriechgängen. In diesen Zwischenböden wurden für die Umnutzung sämtliche Rohre und Kabel für Wasser, Strom und Heizung verlegt. Beeindruckend ist das offene, riesige Treppenhaus mit den großen Fensterelementen, das denkmalgeschützt in seiner ursprünglichen Form erhalten bleiben sollte. Gemeinsam mit einem Schlosser wurde es behutsam restauriert. Die erste Etage beeindruckt mit 4,80 m hohen Räumen und viel Licht. Während die Fassade nach vorne unangetastet bleiben sollte, durfte sie nach hinten geöffnet werden. Schmale, bündig gesetzte Fenster mit zum Mauerwerk passenden, roten Rahmen und der Verzicht auf Stürze sorgen trotz baulicher Intervention für ein harmonisches Gesamtbild. Geschäftsführung, Kreation, Projektleitung und Verwaltung sind hier untergebracht. Werke der Essener Künstlerin Anne Berlit schaffen Orientierung: Jedem Raum ist ein breiter Sandstreifen zugeordnet, der farblich auf das jeweilige Arbeitsgebiet abgestimmt ist. Naturmaterialien findet man überall beim Interieur: „Außen herrscht Industrieromatik – kantig, hart, kalt - innen das Gegenteil.“

Besonders stolz sind die Bauherren auf die zweite Etage: Durch einen Anbau konnte eine großzügige Erweiterungsfläche geschaffen werden. Gäste, Kunden und Künstler, die von weit her anreisen, finden viel Raum, um zeitweise zu wohnen und zu arbeiten. Neue Welten schaffen? Mit dem Umbau des Schalthauses 2 auf Zollverein ist das gelungen.
Architekt Burkhard Giese / SSG Architekten Giese Fotos Kalle Krause GmbH... mehr

Architekt

Burkhard Giese / SSG Architekten Giese

Fotos

Kalle Krause GmbH
www.kallekrause.de