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Eine tragende Idee

Ungewöhnliche Aufstockung: Raum für drei Generationen

Manchmal braucht es ungewöhnliche Ideen, um Wohnträume wahr werden zu lassen. Schon seit Jahren... mehr

Manchmal braucht es ungewöhnliche Ideen, um Wohnträume wahr werden zu lassen. Schon seit Jahren suchte die Bauherrin, selbst Architektin in der Denkmalpflege, nach einer Möglichkeit, ihr Elternhaus in Bochum für sich und ihre Familie zu vergrößern. Doch der Wunsch nach mehr Raum für drei Generationen schien schier unerfüllbar: Für einen hochwertigen Anbau ließen Grundstücksgröße und Baurecht keinen Raum. Veränderungen am Bestand waren statisch aufgrund der schwach dimensionierten Bauteile quasi unmöglich. Bis dreibund architekten auf einen tragenden Gedanken kamen: Sie stellten einfach ein neues Haus über das Alte.

Das vollflächig unterkellerte Einfamilienhaus aus den 80er-Jahren ist über einen Anbau mit integrierter Garage mit einem 3-geschossigen Wohnblock verbunden. Ursprünglich war die Fläche des Satteldaches zur Straße hingewandt. Für die geplante Aufstockung bauten die Architekten beim Haupthaus wie beim Anbau zunächst den bestehenden, ausgebauten Dachstuhl mitsamt den Giebelscheiben zurück. Im Erdgeschoss verblieben so 72 m² Wohnfläche innerhalb des Altbaus, die zu einer eigenständigen, abgeschlossenen Wohneinheit mit großzügiger Terrassenloggia modernisiert wurden. Aufgrund der eingeschränkten statischen Reserven des Bestandbaus stockten die Architekten das Gebäude mit einem intelligenten Kunstgriff auf. Sie planten einen überdimensionierten „Tisch“ über den Altbau, dessen vier Beine aus Beton wie Pfeiler eine selbsttragende Erhöhung ermöglichten. Die „Tischbeine“ tragen die komplett in Holzrahmenbauweise gefertigte Aufstockung um ein weiteres Vollgeschoss mit einem zusätzlichen Galeriegeschoss und einem Satteldach, das, nun um 180 Grad gedreht, mit dem Giebel zur Straße gewandt ist. „Die weitestgehend vorgefertigten, wandartigen Tragelemente in Holzbauweise erfüllen alle statischen Anforderungen an das Bauwerk und sind auch unter wirtschaftlichen Aspekten die günstigste Bauweise“, erklärt Architekt Thomas Helms. „Zudem bietet die Konstruktion bereits eine Dämmebene in Form einer Zellulose-Einblasdämmung, die besonders dem sommerlichen Wärmeschutz dient.“ Für die neuen Trageelemente mussten entsprechende Fundamente geschaffen werden, dabei wurden auch gleich die Außenwände des nur souterrainartig eingelassenen Kellers freigelegt und gedämmt.

Durch die Aufstockung ist eine weitere abgeschlossene Wohneinheit mit circa 123 m² Wohnfläche entstanden. Dank einer großflächigen Verglasung öffnet sich die Wohnung über eine vorgelagerte Loggia zum grünen Garten nach Süden. Der Höhenversprung zum ebenfalls überbauten Anbau und die offene Galerieebene erzeugen ein besonderes Raumgefüge mit Ausblicken über die nachbarschaftlichen Gebäude hinweg bis in den Volkspark.
Selbstbewusst ragt das Haus nun mit seinem Giebel zur Straße auf. Ein außergewöhnlicher Blickfang sind die unterschiedlich großen Holz-Alu-Fenster, die teils flächenbündig, teils tief in die Leibung eingesetzt wurden. Die Kratzputzfassade ist steingrau gehalten. Das Satteldach erhielt neben einer reduzierten und dennoch akzentuierten Ausbildung der Dachentwässerung eine Eindeckung mit flachen Faserzement-Schindeln. Fein verputzte, helle Wandflächen und ein geweißter Dielenfußboden, analog zu den Holzoberflächen der Fenster, spiegeln den reduzierten Materialkanon auch im Innern wider und unterstreichen die moderne Großzügigkeit des Neubaus. Dieser bietet nun genug Raum für drei Generationen und wertet zugleich den gesamten Straßenzug städtebaulich auf.

www.dreibund-architekten.de

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Architekten:

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Fotos:

Fabian Linden
www.linden-design.de