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Blickfang

Drei-Generationen-Haus im Kubus

Grüne Hügel, weite Felder, Aussicht über das gesamte Ruhrtal. Dazwischen: Konventionell gebaute... mehr

Grüne Hügel, weite Felder, Aussicht über das gesamte Ruhrtal. Dazwischen: Konventionell gebaute Häuser mit Klinkern und Satteldach. Und ein schlichtes, aber dennoch extravagantes Drei-Generationen-Haus – das alle Blicke auf sich zieht.

Was macht das Gebäude so besonders? „Es ragt heraus aus der üblichen Bebauung in dieser von Landwirtschaft geprägten Umgebung. Dennoch fügt es sich harmonisch ein“, so Architekt Holger Gravius von KenChiku Architektur + Design. Das Kellergeschoss schmiegt sich teilweise in den Hang und lässt so das riesige Volumen des Baus kleiner wirken. Im Souterrain befindet sich eine helle Wohnung für die Großeltern mit eigenem Zugang. Im Erd- und Obergeschoss leben der Sohn mit Schwiegertochter und zwei Kindern. Schon die Eingangssituationen sind Highlights. Die große Wohnung betritt man über eine Brücke aus Sichtbeton, die über einen kleinen „Schlossgraben“ führt: „Dadurch war es möglich auch die Nordseite des Souterrain-Geschosses natürlich zu belichten“, so Gravius.

Elegant und funktional
Die Gestalt des Hauses ergibt sich aus einer kubischen Grundform, die durch mehrere Rücksprünge gegliedert wird. Das Markenzeichen des Hauses ist das Portal, das eindrucksvoll den Gartenblick nach Westen rahmt. Ein 9,80 Meter breites und nur 0,08 bis 0,40 Meter hohes, im Schnitt keilförmiges, Stahlbetonfertigteil bildet den oberen Abschluss der Konstruktion. Elegant und schlank schwebt es ohne Berührungspunkte über die gesamte Breite des Hauses. „Zusammen mit den seitlichen Rahmen hat das Portal nicht nur gestaltbildende Funktion, sondern dient auch als Sonnenschutz für das Obergeschoss und als Wind- und Regenschutz für die Terrasse“, erklärt der Architekt. Die gleiche Funktion erfüllt im Erdgeschoss eine unauffällige, schlanke und frei auskragende Stahl-Glas-Konstruktion mit hochreflektiven Alu-Lamellen im Glaszwischenraum. „Insbesondere die steile Sommersonne wird dadurch nach oben gespiegelt und verleiht dem Portal leichtes Streiflicht von unten“.

Raffiniert bis ins Detail
Das Spiel mit Licht und Blicken setzt sich konsequent im Inneren des Hauses fort. Über einen hellen Empfangsraum gelangt man ins Zentrum des Hauses, das – im Wortsinne – Einblick gewährt: in die Küche über ein innenliegendes Fenster, ins Wohnzimmer über eine breite Glaspendeltür und ins Treppenhaus. Von hier aus kann man auch senkrecht nach oben bis in den Himmel blicken: „Ein Glasausschnitt im ersten Obergeschoss und eine Dachluke direkt darüber ermöglichen diesen stimmungsvollen Durchblick.“

Die freien Ein-, Aus- und Durchblicke genießen die Bewohner ebenso wie die offenen Raumübergänge: Wohnen, Essen und Kochen sind zu einer Einheit zusammengefasst. Der L-förmige Raum lässt die Küche offen und schirmt sie zugleich ein wenig ab. Ein offener Kamin, geschickt in eine Wand mit Nischen integriert, sorgt für Wohlgefühl. In den Nischen ist Platz für Bücher, HiFi-Anlage und Fernseher. Die große Schiebetüranlage (6,00 x 2,50 m) lässt besonders im Sommer Innen- und Außenraum verschmelzen.

Kompakt und umweltfreundlich
Ein Haus inmitten der Natur – hier haben Bauherren und Architekt besonderen Wert auf eine umweltfreundliche Bauweise gelegt. Konstruiert wurde das Gebäude aus Stahlbeton mit Wänden aus Kalksandstein. Die Fassade besteht aus einer Thermohaut mit weißer Putzfassade. „Ein großer Vorteil des Hauses ist seine Kompaktheit. Das Verhältnis von Inhalt zu Hüllfläche ist extrem gut. Dadurch verliert es im Winter nur sehr wenig Energie“, erläutert Gravius. Dazu kommt eine Isolierung mit hochdämmenden, 14 cm starken Polystyrol-Platten und Passivhaus geeignete Fenster mit einem extrem niedrigen U-Wert von 0,5 W/m² K. Das extensive Gründach und die Stahlbetondecke gewährleisten sommerlichen Wärmeschutz. Das Portal und das Glasdach geben der Westseite Schatten, was eine weitere Kühlung des Gebäudes nicht erforderlich macht. Beheizt wird das Haus über eine moderne Brennwert-Heizung, die mit Flüssiggas funktioniert und von einer Solaranlage mit Vakuumkollektoren auf dem Dach unterstützt wird. Die Speicherung des Regenwassers übernimmt ein 5.000 Liter Wassertank unter der Erde, so kann die Familie im Sommer guten Gewissens den riesigen Garten wässern.

KenChiku
Das preisgekrönte Büro entwirft seit mehr als zehn Jahren außergewöhnliche Wohnhäuser im Ruhrgebiet. KenChiku kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Architektur“, „Bauen“ und auch „Gestalten“ – der Name ist hier Programm. Denn das Architekturbüro will mehr schaffen als das Dach über dem Kopf. Schlicht und ausgefallen sind die Entwürfe, minimalistisch und in vollkommener Integrität von Entwurf, Material und Handwerk. „Bei jedem Entwurf hat KenChiku das Ganze im Blick: Situation, Ort, Umgebung, Umwelt. Und beweist dabei gleichzeitig die Liebe zum Detail“, so Dipl.-Ing. Architekt Holger Gravius. KenChiku-Gebäude sind skulptural, wie aus einem Guss. So, wie ein Bildhauer sein Werk durch das Wegnehmen von Material schafft, kennzeichnen raumbildende Vor- und Rücksprünge die Architektur von KenChiku.

www.kenchiku.de

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Wolf Schily
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