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Das Wesen des Gebäudes erspüren

Erweiterung des Hotels spiegelt den Dreiklang Schwarzwald, Wein, Kloster wider

Architektur sollte sich nicht nur auf Form und Funktion beschränken, sondern Gebäuden auch eine... mehr

Architektur sollte sich nicht nur auf Form und Funktion beschränken, sondern Gebäuden auch eine Bedeutung verleihen. Mit diesem Ansatz entwerfen die Architekturprofis von Müller+Huber aus Oberkirch Gebäude, die Geschichten über sich selbst, ihre Nutzer und ihre Historie erzählen. Was auf den ersten Blick etwas abstrakt wirken mag, bekommt an einem Beispiel aus der Praxis rasch Konturen. So zeigt das Weinhotel Pfeffer & Salz mit eigenem Weingut in Gengenbach, wie die Architekten das „Wesen“ einer Bauaufgabe in eine architektonische Sprache umsetzen.

Es handelt sich um das Hotel von Julia und Simon Huber, das eine Erweiterung erhalten sollte. Die Basis stellte das bereits vorhandene Schwarzwaldhaus, das mit seiner typischen Bauweise für die lokale Identität steht. Die Besitzer bringen zudem durch ihre Lebenserfahrungen einen weltoffenen Hintergrund mit, der ihr Denken und Handeln auszeichnet. Beides trifft an einem Ort zusammen, in dem der Wein eine große Rolle spielt, und mit Gegenbach als einstige Klostergründung kommt der sakrale Faktor hinzu. Der Dreiklang Schwarzwald, Kloster und Wein waren daher die identitätsstiftenden Faktoren, die in die Architektur einfließen sollten. So greift die Silhouette des neuen Gebäudes die Form des klassischen Schwarzwaldhauses auf und interpretiert sie neu. Den klassischen Holzschindeln sind große und glatte Glasflächen gegenübergestellt. Beides weist bereits von außen darauf hin, dass sich das Pfeffer & Salz im Spannungsfeld zwischen Tradition und Zukunft bewegt. Ein Thema, das auch im Inneren, beispielsweise im Empfang, in den Fluren und den Zimmern weitergespielt wird. In seiner geballten Wucht kommen alle prägenden Wesenszüge schließlich im Kapitelsaal zusammen. Hier, am Herzstück des Gebäudes, wo die Gäste zusammenfinden, um zu speisen und zu genießen, ist die Kraft der Architektur am stärksten spürbar. Der außergewöhnliche Raum mit seiner komplexen Holztragstruktur, erinnert in abstrakter Form an ein klösterliches Gewölbe. Die verwendeten Materialien Holz, Lehm und Schindeln spiegeln wiederum die historischen Baumaterialien der Region wider. Und nicht zuletzt spannt die filigrane Linienführung des hölzernen Gewölbes den Bogen zu den traditionellen Zimmermannstechniken, die auch im „neuen“ Schwarzwald noch gefragt sind.
 
www.architektur-buero.de
www.echomar.de

Fotos:

Hubert Grimmig
www.hubertgrimmig.com

(Erschienen in CUBE Oberrhein/Baden 02|19)