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Tankstelle als Baukasten

Das Prinzip Tanken wird neu formuliert

Das waren noch Zeiten, als mit der Motorisierung der modernen Gesellschaft im letzten Jahrhundert... mehr
Das waren noch Zeiten, als mit der Motorisierung der modernen Gesellschaft im letzten Jahrhundert ein neuer Bautypus entstanden ist - die Tankstelle. Beginnend mit Benzinverkauf aus Ladengeschäften, schnörkellosen Pumpen am Straßenrand mit kleinem Schutzdach, wurden Tankstellen zu gebauten Symbolen einer neuen Mobilität und eines neuen Lebensgefühls im Einklang mit dem Statussymbol Auto.

Für diese Entwicklung stehen Stationen wie beispielsweise die von Otto Ernst Schweitzer, Arne Jacobsen oder die Tankstelle in Deitingen von Heinz Isler. Mit der Massenmotorisierung und dem darauffolgenden Preiskampf nach Cent pro Liter kam es nach und nach zum Niedergang der Bauaufgabe. Schnelle und preiswerte Bedarfsbefriedigung zur Sicherung der Mobilität zogen ein Desinteresse an Architektur und Baukultur mit sich.

Die Tankstellenanlagen dieser Art prägen negativ unsere Hauptverkehrsachsen und Ortsbilder, sie seien „Un-Orte“ als Ausdruck von gedankenloser Mobilität. So sehen es Haack + Höpfner Architekten, die, beginnend mit einem Wettbewerbsbeitrag 1999, den Tankstellenbau für die Stationen von Allguth neu formulierten und dafür ein ganz eigenes Baukastenprinzip entwickelten. Das neue Konzept sorgt seither als roter Faden des Unternehmens bei Neubauten und Sanierungen für Wiedererkennbarkeit und Ordnung.

So auch beim Allguth-Terminal Chiemgau­straße 185-187, bei dem wie bei allen Neubauten nach dem Motto „alles unter einem Dach“ eine durchgängige Serviceebene und eine große, schützende, alles verbindende Dachebene, zum Grundgerüst der Station wurde. Das Dach spannt mit einer Länge von 81,85 m von der Lärmschutzwand im Osten bis zum Verkaufs- und Gastraum im Westen. Als umlaufendes Band umfasst es den Verkaufsraum und verlängert sich in das Tankfeld. Straßenseitig beleuchtet ein rotes Band den Baukörper, an der Westseite sind Fluchtwege, Fenster- und Lüftungsöffnungen unsichtbar in die hinterlüftete Verkleidung aus Aluminiumprofilen integriert.

Der Verkaufsraum mit seinem supermarktähnlichen Sortiment ist als gläsernes Volumen zwischen Dach und Rückwand eingespannt und öffnet sich zu Tankfeld und Straße. Der Kunde bewegt sich von den Zapfsäulen aus in der Mittelachse des Gebäudes in einer von ETFE-Kissen belichteten, taghellen Zone in den Shop hinein auf die Backshop- und Kassenzone zu. Dahinter sind der Küchen-, Lager- und Anlieferungsbereich, in einem erhöhten Zwischengeschoss das Pächterbüro untergebracht. Das gesamte Raumvolumen ist unterkellert, hier befinden sich Kundentoiletten, Technik und Lagerflächen.

Die Anlage in der Chiemgaustraße ist der sechste Neubau von Haack + Höpfner in dem für Allguth entwickelten Baukastenprinzip. Als System Micro (Anlage parallel zum Straßenverlauf) und als System Makro (Anlage quer zum Straßenverlauf) wurden zwei auf dem gleichen geometrischen Grundsystem aufgebaute Varianten entwickelt. Durch identische Proportionen, Konstruktionen und Leitdetails ist eine klare Gestaltung, Wiedererkennbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Flexibilität gegeben. Auf unterschiedliche Grundstückszuschnitte und Standorte kann über die Fassaden, Einfriedungen, ein Verlängern des Tankdachs in eine begrünte Pergola oder die Gestaltung der Außenanlagen individuell eingegangen werden. Dadurch erfüllt jede Station den Anspruch nach einer transparenten, wandelbaren und gleichzeitig anpassbaren Architektur und fügt sich fast schon spielerisch leicht ins städtische wie ins überregionale Umfeld ein.

www.haackhoepfner-architekten.de
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Architekten

Haack + Hoepfner Architekten + Stadtplaner
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Fotos

Dominik Münich
www.dominikmuenich.de