Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Fenster zum See

Robustheit und Design stehen sich in vielen Fällen konträr gegenüber

Es ist ein zeitloses Bauwerk, das der Münchner Architekt Rudolf Hierl nahe des Sissi-Schlosses am... mehr
Es ist ein zeitloses Bauwerk, das der Münchner Architekt Rudolf Hierl nahe des Sissi-Schlosses am Westufer des Starnberger Sees geschaffen hat: Die Jugendherberge Possenhofen.

Sie wurde wie das nahe gelegene Schloss als öffentlicher Bau begriffen und behauptet sich dementsprechend als solitärer, geometrisch klar definierter Baukörper in der Landschaft. Obwohl als funktionell-praktisches Gebäude erdacht, gleicht die Herberge fast einem Designhotel – und ist nicht nur für Übernachtungen, sondern auch für einen Tagesausflug und einen Kaffee auf der Terrasse einen Besuch wert.

Ausgangspunkt des umgesetzten Entwurfs waren die Merkmale der umgebenden Landschaft: Die Weite des Starnberger Sees, die Ausgewogenheit des von Peter Joseph Lenné um 1850 gestalteten Landschaftsparks rundherum und seine historische Allee. Diese wurde als starkes, ordnendes Element weitergeführt und gab die Orientierung auf dem Grundstück vor. Der Weite der Lennéschen Landschaft wurde als fassbarer Freiraum der präzise begrenzte Hof der Herberge entgegengesetzt - ein archetypisches gemeinschaftliches Element. Als Mittelpunkt des Herbergslebens ermöglicht er Schulklassen, Vereinen, Reisegruppen und Wanderern zugleich einfache Orientierung, hohe Identifikation und geschützte Veranstaltungsfläche.

Die untergeordneten privaten Bauten mit elliptischem Grundriss – Perso­nalgebäude, Waschhaus und Zelte – wurden typologisch an der freien Musterbildung der vorhandenen offenen Wohnbebauung orientiert und arrondieren diese zu einer Figur. Das Hauptgebäude besteht aus einer Betonkonstruktion, wobei sich hier Robustheit und Design in vielen Fällen konträr gegenüber stehen und die geforderte Stabilität als gestaltgebendes Mittel genutzt wurde. Holz, Sichtbeton und verputzte Flächen dominieren die Materialwahl. Parallel zur Hoffassade schiebt sich eine knapp 20 m lange Stahlbeton-Treppe nach oben. Eine mächtige, umlaufende Betonwanne verhüllt den Rhythmus der Stufen und verwandelt die kantige Treppenstruktur in eine gleitende Fläche. Diese imposante Treppe führt zu den hellen Gästezimmern im Obergeschoss – mit großzügigen Fensterfronten und schlichten, funktionellen und dennoch robusten Holzmöbeln.

Mit 142 Betten in 33 Zimmern können in der Herberge ohne Probleme mehrere Gruppen gleichzeitig unterkommen. Im Erdgeschoss liegen sämtliche öffentlichen Nutzungen mit allseitiger Anbindung an die umgebende Landschaft. Speisesaal und Tagesräume sind durch ihre Struktur und Erschließung flexibel und vielfältig teilbar bis hin zum 270 m2 großen Saal. Sie vermitteln zwischen Uferlandschaft und Hof und sind beiden Freiräumen gleichermaßen zugeordnet. Nach Osten öffnet sich der Bau über ein großes „Fenster zum See“ und verortet so den archaischen Hof in der Landschaft.

www.hierlarchitekten.de
Architekten Hierl Architekten www.hierlarchitekten.de Fotos Hierl Architekten mehr

Architekten

Hierl Architekten
www.hierlarchitekten.de

Fotos

Hierl Architekten