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Faktor Mensch

Preisgekrönte Wohnanlage im Domagkpark

„Es darf auch häßlich werden“, war der erlösende Satz, sowohl bei den Genossenschaftsmitgliedern... mehr

„Es darf auch häßlich werden“, war der erlösende Satz, sowohl bei den Genossenschaftsmitgliedern als auch beim Architekten Rainer Hofmann von bogevischs buero, als es sich als außerordentlich schwierig erwies, die Einzelwünsche der Miteigner unter einen Hut zu bringen.

Das Ergebnis steht nun seit einem Jahr und ist zu den meistbewunderten Wohnprojekten seit Jahren geworden. Es erhielt den Deutschen Städtebaupreis 2016 und wurde fast zu so etwas wie einer architektonischen Sehenswürdigkeit und ein Hotspot nicht nur für Architekten. „WagnisART“ heißt dieses ungewöhnliche Konglomerat aus fünf Wohnhäusern, die zwei Innenhöfe einschließen und mit der Form „normalen“ Geschosswohnungsbaus nurmehr wenig gemein haben. „Wagnis“ ist die Genossenschaft, „ART“ weist auf die Nähe zu den ehemaligen Kunstateliers auf dem alten Funkkasernengelände hin, die weit über die Grenzen Münchens hinaus bekannt waren. Im Zuge der Gestaltung des neuen Wohnquartiers „Domagkpark“ mussten alle alten Kasernengebäude abgerissen werden, bis auf eines, das die Stadt erworben und aufwändig saniert hat.

Das Spannende an diesem Projekt ist jedoch, dass über einen langen Planungszeitraum hinweg, die Genossenschaftsmitglieder und künftigen Bewohner von WagnisART immer wieder zusammenkamen und von ihrem partizipativen Mitspracherecht gebraucht machten. Letztendlich stand der Faktor Mensch und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt, und die Architekten mussten ihre Entwurfskompetenz den Wünschen der Eigner unterordnen. Die fünf in ihrer Kubatur kaum zu beschreibenden Häuser sind nun – so wollten es die Kinder bei einem gemeinschaftlichen Namensfindungsprozess – nach den fünf Kontinenten benannt und haben einen Umfang von 130 Individualwohnungen und acht Clusterwohnungen – einer Mischung aus Wohngemeinschaft und autonomen Appartements, die zu einer großen Wohneinheit von etwa 400 m² zusammengefasst sind. Hier kann man sich dank des Genossenschaftsmodells von Wagnis als Normalverdiener seine eigene Wohnung, zum Teil sogar mit einer Dachterrasse, mit autonomem Bereich und Gemeinschaftsflächen leisten.

Die Häuser sind in der Höhe mit Luftbrücken verbunden, was nachbarschaftliches Zusammensein auf Gemeinschaftsterrassen, kleinen Höfen oder Plätzen möglich macht. Die Erdgeschosse sind Veranstaltungsräumen, Werkstätten, Waschraum und Nähstube, einem Speisecafé, Arztpraxen und Büros vorbehalten. Obendrein – das versteht sich von selbst – ist das Gebäudeensemble barrierefrei und höchst energieeffizient. Etwas Großartiges ist hier entstanden: Ein quasi autarkes Dorf mitten im Stadtgebiet. Und von wegen häßlich: Das ist es auf keinen Fall geworden. Aufenthaltsqualität optimal.

www.wagnis.org
www.bogevisch.de
www.schindler-architekten.de
www.hable-architekten.de

Architekten: bogevischs buero architekten & stadtplaner www.bogevisch.de SHAG... mehr

Architekten:

bogevischs buero architekten & stadtplaner
www.bogevisch.de

SHAG Schindler
www.schindler-architekten.de

Hable Architekten
www.hable-architekten.de

Freiraumplanung:

Auböck/Karasz mit bauchplan 

Fotos:

Michael Heinrich
Thomas Gutsche