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Ein Spiel aus Nähe und Distanz

Am Ammersee: Zwei Villen für ein Brüderpaar

In der bayerischen Gemeinde Inning realisierte ATP sphere, auf einer Grundstücksfläche von rund... mehr

In der bayerischen Gemeinde Inning realisierte ATP sphere, auf einer Grundstücksfläche von rund 1.800 m² zwei moderne Villen. Das weitläufige Grundstück, das der Bauherr per Zufall gefunden hatte, war für ein Gebäude zu groß. Also wurde es geteilt und kurzerhand an seinen Bruder vermittelt.

Die beiden Häuser, die sich ca. 80 m über dem Ostufer des Ammersees in Nähe eines Naturschutzgebietes befinden und schon in ihrem Habitus zeigen, dass die Bewohner zwei Brüder sind, haben in der Genehmigungszeit, die sich über ganze zwei Jahre erstreckt hat, viel Mühe und Überzeugungsarbeit gekostet. Überzeugungs­arbeit, die gemeinsam mit dem Architekten von einem engagierten und überzeugten Bauherren geleistet wurde.

In der Gemeinschaft liegt dann auch die ganze Kraft des Projekts. Der Bauherr von heute, der sich zunehmend als Mitgestalter versteht, greift aktiv ein, während der moderne Architekt immer mehr zum Berater und Vermittler wird. Was auch nötig ist, da die Anzahl der am Bau Beteiligten ständig steigt und der administrative Aufwand in den Projekten gleichzeitig wächst. Die gestalterische Kompetenz des Architekten wird anders, nämlich vornehmlich am Tempo der Errichtung von virtuellen Welten oder der Perfektion der Bilder gemessen und nicht mehr an der Fähigkeit zur Suggestion oder seiner generalistischen Fähigkeiten als Gestalter.
Eine der wichtigsten Aufgabe des Architekten ist es, herauszufinden, was der Bauherr meint, wenn er sagt: „Ich will mich wohlfühlen.“ Dazu gehört Vertrauen auf beiden Seiten. Der Entwurf und der Bau eines individuellen Wohnhauses bildet die engste Beziehung zwischen Architekt und Bauherr, die es beim Bauen geben kann. Dabei wird die Intensität der Erlebnisse umso greifbarer, wenn man sich vor Augen hält, um was es beim Bau des eigenen Wohnhauses eigentlich geht. Nämlich um Lebensglück, oft das gesamte Geld, um Zukunft und den eigenen Lebensentwurf. All diesen Dingen muss das Haus standhalten und all diese Dinge setzen den Maßstab für das eigene Haus.

Üblicherweise verstecken sich großzügige Wohnhäuser in der Tiefe der meist auch großzügigen Grundstücke. Das Vorfeld ist dabei oft von pompösen Auffahrten und feingliedrigen Toranlagen geprägt. Im Falle der Häuser für die beiden Brüder ist dies anders. Die Baukörper aus sich heraus eher schlank und lang, sind für alle wahrnehmbar.
Ihre Schlankheit verrät aber nichts über ihre eigentliche Größe. Die Toranlage und die Garagen bilden eher einen Filter als eine Grenze und lassen Blicke in das Grundstück zu. Ganz bewusst ist der Raum zwischen den Garagen, der Toranlage und den eigentlichen Eingangsbereichen als öffentlicher Park gestaltet. Ein Teppich aus anthrazitfarbenen Kieseln verbindet Innen und Außen. Es gibt keine Wege, nur eine Fläche, die ein ganz besonderes Gehgefühl mit einer ganz eigenen Akustik bietet. Die Eingangsbereiche sind bewusst aus dem Teppich aus Kieseln heraus­gehoben und nach Betreten der Häuser wird der Besucher entlang einer leicht nach oben führen­den Rampe in die Wohn-/Essbereiche geführt.

Nur dadurch, dass die Häuser recht bescheidene dem See zugewandte Gärten „übrig lassen“, kann der See ins Haus geholt werden. Die leichte Bewegung der Rampen hebt den Wohnbereich jetzt so weit aus dem Grundstück, dass die Präsenz des Sees noch verstärkt wird. Es sind nur 40 cm, aber durch diese Bewegung kann das Wasser im Sitzen gesehen werden und trotz seiner Entfernung wird es so gegenwärtig.

Die Raumfolgen in beiden Häusern berücksichtigen den Ort und die Bedürfnisse der Bewohner. Atrien und Durchbrüche nach oben und nach unten verstärken die Beziehung in der Vertikalen. Da alle diese Bewegungen durch Glas oder Wandscheiben abgeteilt sind, bleibt die Beziehung rein visuell, schaufenstergleich und vermeintlich nutzlos. Raum und Fläche aber nicht zu belegen, sondern zu betrachten und wirken zu lassen, das ist die eigentliche Großzügigkeit. Ein Gang wird so zum Raum. Ein Atrium zur Halle. Der Tausch von Raumanteilen zwischen Obergeschoss und Erdgeschoss verbindet und trennt gleichzeitig, vor allem aber gibt er den einzelnen Nutzungsbereichen ihren Charakter. Es gibt keine Räume, eher sind es Orte in einem Kontinuum, das aber gleichzeitig entdeckt werden will. So werden die Häuser zum Erlebnis.

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ATP Architekten Ingenieure
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Fotos

ATP / Christian Schmidt
www.christianschmidt.com

ATP / Brigida Gonzalez
www.brigidagonzalez.de