Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

David gegen Goliath

Stillgelegtes Krafwerk wird reanimiert

Unbeachtet und vergessen stand der Koloss des ehemaligen Gasheizkraftwerks seit seiner... mehr
Unbeachtet und vergessen stand der Koloss des ehemaligen Gasheizkraftwerks seit seiner Stilllegung im Jahr 1999 in Obersendling. Irgendwie gehörte er zum Viertel und auch zur Skyline Münchens. Doch als sich 2010 ein Bauherr fand, der das Gebäude erwarb und Pläne schmiedete, wie es wieder zu beleben sei, entbrannte ein Streit zwischen Erhalts- und Abbruchsgegnern. Gesiegt haben die Befürworter des Erhalts und auferstanden aus der Ruine ist ein riesiger Flagshipstore für Designmöbel, ein Restaurant, Büroräume und eine Tiefgarage. Ein Haus, das eine Maschine war und dessen Wände nur als Hülle für die Technik dienten, ist jetzt ein funktionierendes Gebäude im neuen Gewand. Die neu-alte Fassade besteht jetzt zu großen Teilen aus bronzefarben glänzenden eloxiertem Streckaluminium. Das Erdgeschoss ist jetzt gläsern und das Restaurant hat eine über 400 m2 große Dachterrasse, von der aus man den Blick in die Berge genießen kann.

Es war ein langer Weg, bis aus dem Innern des Industriedenkmals ein 10.000 m2 umfassender Ausstellungs- und Verkaufsraum mit zusätzlichen 6.000 m2 für Kreativbüros wurde. Stenger2 Architekten und Partner, die den gesamten Umbau planten und realisierten, dürfen zurecht den Vergleich „David gegen Goliath“ anstellen oder sich „Fearless“ nennen – ein Name, den sie ihrer Ausstellung zum Projekt auf der Architekturbiennale in Venedig und in der Architekturgalerie München gaben. Was für eine Aufgabe! Keiner kann mehr beziffern wieviel Tonnen schweres Gerät und Betontrümmer aus dem Bauch des Gebäudes geholt wurden. Es existieren Fotos, die den Bagger mit seinem Riesenmaul bei der Arbeit zeigen. Der Rückbau alleine dauerte schon zwei Jahre.

Schön ist, dass auch einige der Eingeweide erhalten wurden und an die einstige Funktion des Gebäudes erinnern. Staunend steht man vor gigantischen Löchern in der dicken Stahlbetondecke, durch die einst die Wärmeaustauscher führten. Der Innenraum wurde weitgehend offen gehalten, keine Zwischenwände verstellen den Blick. Riesenhallen soweit das Auge reicht. Und neuerdings nun eben Designermöbel en masse.

Der Turmaufbau wurde aufgestockt. In diesem Jahr wird das elfte und letzte Obergeschoss fertig. Hier sind großzügige Büros eingezogen, mit Mietern, die genau das wollten – diese archaischen Räume, den Blick und die bis zu fünf Meter hohen Geschosse. Darüber ragen die einstigen Schornsteine, die mit ihren 80 Metern 30 Meter länger als das Gebäude selbst sind. Sie wurden nahezu unangetastet belassen, wohnt hier doch eine Wanderfalkenfamilie die unter strengstem Tierschutz steht, in einem schmucklosen Kasten an einem der Türme. Aber das ist eine andere Geschichte.

www.stenger2.de
Architekten: Stenger2 Architekten und Partner www.stenger2.de   Fotos: Sascha... mehr

Architekten:

Stenger2 Architekten und Partner
www.stenger2.de 

Fotos:

Sascha Kletzsch