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Das Wohnen wandelt sich

Neue Wohnraumkonzepte für neue Familien

Die Sprengung des Agfa-Hochhauses an der Tegernseer Landstraße im Februar 2008 war zugleich der... mehr

Die Sprengung des Agfa-Hochhauses an der Tegernseer Landstraße im Februar 2008 war zugleich der Startschuss für ein neues Wohnviertel mit insgesamt etwa 950 Wohnungen auf dem 11,5 ha großen freiwerdenden Gelände - geblieben ist nur der Name: Agfa-Park.

Zwischen Alt Giesing mit seinem fast dörflichen Charakter und dem neu angelegten Weißensee-Park entstanden mehrere vier- bis achtstöckige Hausgruppen verschiedener Wohnungsbauträger.

Der mittlere von drei U-förmigen, nach Norden ausgerichteten Blöcken wurde von Hierl-Architekten gestaltet und ist ein Projekt der Demos Wohnungsbau, die bei diesem Projekt bewusst neue Wege gegangen ist. Die Adresse: Weißenseestraße 108-124. Das Besondere dieser 3-5-Zimmer-Wohnungen ist der Versuch, auf heutige Anforderungen an den Wohnungsbau eine Antwort zu geben, denn die klassische Kleinfamilie - Vater, Mutter, zwei Kinder - dürfte ein für allemal passé sein. Architekt Hierl zu seinem Konzept: „Grundsätzlich sind wir gegen ein Prinzip des Stapelns, das ja erst mit der Moderne erfunden worden ist. Erst mit der Idee der Standardisierung kam es zu dieser Gleichmacherei - und vor allem bei Agfa haben wir versucht, dagegen zu arbeiten und eher den Aspekt des Individuellen in der Serienwohnung herauszuarbeiten. Daher gibt es ja diese geschossweise versetzten, wohnungsbezogenen Freiflächen, das ist einmal der Wintergarten, einmal eine Loggia und einmal ein Erker, obwohl diese natürlich in sich wieder einer formalen Regel unterworfen sind.“ Das Gestaltungsmerkmal dieser an der Außenfassade liegenden Flächen sind fast quadratische Auskragungen, die Sichtschutz und damit Wahrung der Privatheit gewähren. Zum Innenhof hin haben die Wohnungen offene Balkone oder Balkon-Loggien. Hinzu kommen Standards wie Barrierefreiheit, Energieeinsparung sowie individuell gestaltbare Grundrisse, wodurch dem sich deutlich abzeichnenden demographischen Wandel unserer Gesellschaft Genüge getan wird. Die Wohnungen ermöglichen, eine Einliegerwohnung innerhalb der Wohnung abzutrennen, sei es für die betagten, pflegebedürftigen Eltern, für Pflegepersonal oder für mit im Haushalt wohnende Au-pairs oder die fast erwachsenen Kinder, die ihr eigenes Reich haben wollen. Kurz: Eine wie auch immer geartete Patchworkfamilie kann hier die passende Wohnform finden. Dieses „Wohnung in der Wohnung“-Konzept bietet mannigfaltige Möglichkeiten der Nutzung, wie sie künftig häufiger vonnöten sein werden als bisher.

Die Wohnungen werden durch eine großzügige Treppenanlage in der Gebäudemitte erschlossen. Dies fördert die Kommunikation der einzelnen Parteien im Haus und bringt überdies den Vorteil mit sich, dass fassadenseitig Raumfluchten möglich sind. Die Häuser unterscheiden sich durch dezente Farbgebung. Virtuos gestaltete Innenhöfe werten die Anlage zusätzlich auf.
Giesing ist ein Stadtteil im Wandel. Es bleibt zu hoffen, dass etwas übrig bleibt von diesem traditionellen Arbeiterviertel, den Handwerksbetrieben, Einzelhandelsgeschäften, Kneipen, Biergärten und den einfachen Leuten, die dieses Viertel ausmachen. Auch hier bleibt die Zeit nicht stehen - vielleicht ist es dennoch möglich, ein Miteinander von traditioneller und moderner Lebensweise zu erreichen.

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Fotos Florian Holzherr
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