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Das schönste Grau weit und breit

Geniales Fifties Revival

Was zuerst ins Auge fällt beim Näherkommen ist ein völlig aus der Reihe tanzendes Haus mit einer... mehr

Was zuerst ins Auge fällt beim Näherkommen ist ein völlig aus der Reihe tanzendes Haus mit einer grauen Verpackung. Ein neues Gewand für ein schon etwas in die Jahre gekommenes Haus. So verraten es die in ihrer Größe beibehaltenen Fenster. Irgendwie lässt dieses ,Outfit‘ das Haus wie einen Fremdkörper wirken - der sich jedoch selbstbewusst behauptet und stolz verkündet: Ich bin eben anders.

Die Eigentümer, Bewohner und Architekten dieses sympathischen Anwesens sind Ruth und Stefan Krötsch. Er hatte dieses Haus aus dem Jahr 1956, das bereits zum Abbruch freigegeben war, gefunden und beschloss, es vor dem Abriss zu bewahren und es stattdessen zeitgemäß umzubauen. Das Revolutionäre dieser Haussanierung und des Umbaus ist in der Tat zunächst einmal das Fassadenmaterial: Es handelt sich um ein Polyethylengewebe, das Krötsch nach langem Suchen und Herumexperimentieren gefunden hat. 56 kg dieser hundertprozentig recycelbaren Hülle hat er auf die Unterkonstruktion der Fassade gepackt. Und tatsächlich musste ein Schneider mitkommen und die Bahnen maßgerecht zuschneiden und die Fensteraussparungen herausschneiden. Gerade mal 7.000 € kostete das und brachte dem Hausherrn viel Aufmerksamkeit und Anerkennung ein. Eine Holzschalung oder Faserzementplatten wären um ein Vielfaches teurer gewesen. Seither ist der Name ,Graues Haus‘ etabliert und macht nun die neue Identität des Hauses aus.

Der Fassadenaufbau hinter der Textilschicht ist eine zweilagige Dämmung von 24 cm Dicke und einer Hinterlüftung.

Über eine straßenseitige Holzterrasse oder über den ursprünglichen Hauseingang an der Seite gelangt man ins Innere. Der Aufwand war relativ gering, da die Wand- und Deckenöffnungen in den meisten Fällen in Einklang mit der bestehenden Struktur erfolgten, um das Haus den Bedürfnissen einer fünfköpfigen Familie anzupassen. Drei großzügige Fenster, 2,5 auf 3,2 m, bringen Licht ins Haus. Eines auf der Westseite zur Straße hin, eines auf der Ostseite mit Tür zum Garten und eines im Dachgeschoss schaffen eine einladende Helligkeit im ganzen Haus.

Durch Entfernen eines Anbaus im Garten und durch Senken der Kellerdecke gelangt man nun ebenerdig vom großen Wohnraum aus in den Garten. Ursprünglich war das Erdgeschoss ein Hochparterre, und die Architekten haben diese Stufe in der Mitte des Raumes beibehalten und so eine natürliche Unterteilung des Raumes in einen Wohn- und Essbereich geschaffen, an den sich die Küche anschließt. Alle Einbauten sind – soweit möglich – aus Naturholz, das unbehandelt ist oder wie bei den Fensterrahmen, geölt. Es wurden keinerlei Materialien verwendet, die Schadstoffe emittieren.

Durch eine neu eingebaute Treppe gelangt man vom Wohnbereich in die Schlafzimmer im ersten Stock. Unter der Treppe ist eine kleine Spielhöhle für die Kinder eingebaut. Oben gelangt man zunächst auf die Galerie, die durch Abriss der Geschossdecke über dem Wohnzimmer entstand. Hier ist eine große Arbeitsplatte angebracht, an der die Kinder ihre Hausaufgaben verrichten können und Ruth Krötsch ihren Arbeitsplatz hat.

Über das ursprüngliche Treppenhaus, das durch bloßes Abschleifen aussieht wie neu, erreicht man das Dachgeschoss. Unvorstellbar heute, dass hier einmal drei Parteien auf drei Stockwerken gewohnt haben. Die neuen Besitzer haben den Dachstuhl freigelegt eine großzügige Fensteröffnung in das Dach geschnitten und aus zwei kleinen Gauben auf der Nord- und Südseite wurden je eine große durchgehende, mit Blech verkleidetete Gaube gemacht. Die Familie verfügt insgesamt über eine Wohnfläche von 166 m².

50 Prozent der Warmwasserversorgung wird mit einem 6 m² Solarthermiekollektor auf dem Dach erzeugt. Die Wandheizung wird durch eine kleine Gastherme gespeist. Die Anlagentechnik befindet sich im Dachspitz, die gesamte Verteilung erfolgt in der abgehängten Decke im Flur. Die Energieeinsparung ist enorm: während vor dem Umbau ein Energiebedarf von 426 KWh/m² gemessen wurde, sind es nun nur noch 37 KWh.

Das große Verdienst der Architekten ist ein typisches Fünfzigerjahre-Haus erhalten und es energetisch und innenarchitektonisch auf vorbildliche Weise umgestaltet zu haben. Ein Beispiel, das Schule machen sollte. Folgerichtig wurde das ,Graue Haus‘ bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

www.kroetsch.net

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Architekturbüro Stefan Krötsch
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Fotos

Simone Rosenberg
www.rosenbilderberg.com