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Weiterbau mit Gespür

Der Erweiterungsbau des Humboldt-Gymnasiums verbindet inspirierende Räume mit Bezügen zum Bestand

Das Humboldt-Gymnasium am Kartäuser-Wall platzt schon seit vielen Jahren aus allen Nähten, was... mehr

Das Humboldt-Gymnasium am Kartäuser-Wall platzt schon seit vielen Jahren aus allen Nähten, was sich nicht zuletzt in zahlreichen Pavillonbauten ausdrückte, die auf dem Schulhof nicht nur temporär für mehr Raum sorgten. Das denkmalgeschützte Gebäude, das 1957–59 nach Plänen von Karl Band unter Mitarbeit von Hans Schilling und Karl-Heinz Schlösser realisiert wurde, gilt mit als eines der Vorzeigebauten der sogenannten „Kölner Schule“ – eine lokale, ortsbewusste Avantgarde, welche sich in den Wiederaufbaujahren unter Architekten und Künstlern formierte. Entsprechend wurde von der Stadt Köln ein geladener Architekturwettbewerb für den Erweiterungsbau initiiert, den die Berliner Architekten Numrich Albrecht Klumpp mit einem Entwurf entscheiden konnten, welcher den Denkmalbestand behutsam einbezieht und perspektivisch weiterentwickelt.

Der realisierte viergeschossige, langgestreckte Neubau zeigt gegenüber den begrünten historischen Wallanlagen eine klare Blockkante – durch seine polygonal angeschrägten Ecken gibt er zugleich aber auch den Blick auf die sensibel geplante Ziegel-Loch-Fassade des denkmalgeschützten Bestandes frei. Eingerahmt durch einen gläsernen, aufgeständerten Verbindungsbau ergibt sich zwischen beiden Bauten ein von den Schülern nutzbarer Vorhof, der zugleich als öffentlicher Zugang für einen Kammermusiksaal dient, welcher im Erdgeschoss des Neubaus angeordnet wurde. Bereits seit 1966 besitzt die Schule einen ausgeprägten musikalischen Zweig. Neben dem 160 Sitzplätze umfassenden, akustisch professionell ausgestatteten Kammermusiksaal im Erdgeschoss werden die 28 Klassenzimmer, sechs Fachräume, eine Lehrküche mit Speiseraum sowie die Schulbibliothek über ein großzügiges, von einem Oberlicht belichtetem Treppenhaus erschlossen. Im Vorgriff auf eine zukünftige Compartment-Pädagogik lässt es sich vielfältig und flexibel bespielen – mit Ausstellungen genauso wie als Raum für gemeinsame Arbeitsgruppen oder klassenraumübergreifende Veranstaltungen. Die sehr haptisch ausgeprägte Fassade des Neubaus mit gedämpften, wassergestrichenen, an den Kanten leicht gewellten Kohlebrandklinkern (Hagemeister) stellt den materiellen Bezug zur Backsteinfassade des Bestandsbaus her. Die Mauerverbände werden dabei bewusst nach Funktionen variiert: Zwischen den Fenstern werden durch den Stromlinienverband von Formklinkern plastische Bänder ausgeprägt, die auf die Lochfassade des Bestands antworten. Die polygonale Gebäudeecke, an welcher der Kammermusiksaal liegt, wird in einem doppelt gesetzten und zudem geöffneten Stromlinienverband artikuliert. Durch dieses Filtermauerwerk mit einer dahinterliegenden transluzenten Verglasung fällt gedämpftes, gleichmäßiges Licht in den Saal. In Gegenrichtung leuchtet der Saal in den Abendstunden aber auch in den öffentlichen Stadtraum hinein und zeigt nach außen Gesicht.

www.nak-architekten.de

Fotos:

Annika Feuss
www.annikafeuss.com

Ulrike Lauber
www.lauber-fotografie.de

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 03|20)

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